Knigge: Benimmregeln reloaded

Jan-Christopher Sierks Verfasst von:

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Das Wort „Knigge“ steht für Manieren. Habe ich als Kind übrigens oft gehört, dass man sich doch besser „à la Knigge“ benehmen solle. Kurios ist, dass der Namensgeber dieser Benimmregeln, Freiherr Adolph Knigge, eigentlich falsch verstanden wurde.

Denn sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) wurde von der Allgemeinheit irrtümlich als Ratgeber für Manieren gesehen, war aber eher in der Soziologie ausgerichtet. Sei’s drum, Knigge hat so seinen Namen verewigt und ihn bis heute in unserer Umgangssprache bewahrt.

Die Knigge-Kur
Die Knigge-Kur

Einen neuen Ansatz zum Thema nimmt nun Autor Kai Oppel, der mit „Die Knigge-Kur“ auf eine frische Sichtweise der „Regeln“ für unsere neue Zeit aufmerksam macht. „Knigge gilt als Synonym für Benimmregeln. Wer Knigge aber auf Manieren reduziert, erreicht damit das Gegenteil von dem, was der Autor ursprünglich beabsichtig hat“, sagt Kai Oppel.

Erst mit dem Essen beginnen, wenn alle am Tisch sitzen? Die Haare ordentlich kämmen, wenn Besuch kommt? Der Dame die Tür aufhalten? Alles richtig. Allerdings: Laut Oppel „können Knigges eigentliche Gedanken heute mehr denn je helfen, trotz Beschleunigung, Digitalisierung oder Informationsflut der Herr seiner selbst zu bleiben“.

Oppel: „Knigge ist in den vergangenen Jahren fälschlicherweise zurechtgestutzt worden, zu einem Werkzeug im Baukasten der Selbstoptimierung.“ Die Benimmregeln würden vielen Menschen nur noch dienen, um im Berufs- und Privatleben eine gute Figur zu machen.

„Es ging Knigge jedoch nicht darum, sich durch einen guten Eindruck Wettbewerbsvorteile zu sichern, um noch schneller auf der Karriereleiter zu klettern“, meint Kai Oppel. Es handele sich beim Ursprungswerk „Umgang mit Menschen“ vor allem um eine zu Zeiten der Aufklärung entstandene Schrift.

Die „Die Knigge-Kur“ aus dem Verlag C.H.Beck zeigt nun, wie der Mensch trotz der neuen Zeit mündig und selbstbestimmt bleibt. Das Smartphone sei dabei ein gutes Beispiel. Denn wer Knigge falsch verstehe, kümmere sich lediglich darum, den richtigen Klingelton zu wählen oder beim Schreiben einer mobilen Textnachricht keine Rechtschreibfehler zu machen.

Kai Oppel
Kai Oppel

„Der wahre Knigge allerdings hätte grundsätzlich die Abhängigkeit von einem Gerät, das Abstellen des eigenen Denkens und die Überwachung durch die anfallenden Daten kritisiert“, sagt Oppel. Ein Buch, das aufgrund seines Ansatzes sehr lesenswert ist. Und das nicht nur für Leser/innen, die Wert auf gute Manieren legen…

Die Knigge-Kur: So befreien Sie sich von unsinnigen Benimmregeln und falschen Karrierehelfern
Autor: Kai Oppel
254 Seiten, Verlag C.H. Beck, 1. Auflage
ISBN-10: 340668114X
ISBN-13: 978-3406681141

Fotos: Kai Oppel

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