Backseat-Interview mit Jörg Woltmann: Der vergessene Freizeitchip

Jan-Christopher Sierks Verfasst von:

SHOTS MAGAZIN

  @shotsmagazin

Jörg Woltmann (70) ist in Unternehmerkreisen und darüber hinaus eine lebende Legende. Als erfolgreicher sowie knallharter Banker übernahm er vor elf Jahren die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) – und rettete das Unternehmen als Chef vor der Insolvenz.

Tradition und Kulturgut haben einen hohen Stellenwert bei KPM. Verpflichtend dazu ist vielleicht der Aspekt, dass KPM ursprünglich im Jahre 1763 von niemand Geringerem als Friedrich dem Großen gegründet wurde.

Heutzutage, über 250 Jahre später, geht es modern und zeitgemäß im Geschäft des Porzellans zu, das den Rokoko, den Klassizismus und den Jugendstil überstanden hat. Es gibt kaum eine namhafte Persönlichkeit, die die fast ausschließlich in Handarbeit gefertigten Produkte nicht bereits in den Händen hielt – oder ihren Tee daraus trank.

Jörg Woltmann, Träger des Verdienstkreuzes am Bande, das ihm 2011 verliehen wurde, ist zudem passionierter Liebhaber von Automobilen. Grund genug für die Berliner, exklusive Porzellan-Skulpturen von Automobilen aufzulegen. So wie die vom aktuellen 7er BMW. Auf 500 Exemplare limitiert, werden die 30 x 17 Zentimeter großen Stücke von Hand gefertigt.

Jörg Woltmann, KPM BMW Skulptur
Jörg Woltmann, KPM BMW Skulptur

Bei soviel Begeisterung für alles auf vier Rädern wird es Zeit für ein Interview mit „Shots“. Also baten wir Herrn Woltmann zu einem Gespräch samt Shooting auf den Rücksitz des neuen BMW 740Le iPerformance. Wo? Am Zoo, mit einer Currywurst von Curry 36.

Herr Woltmann, warum ist die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin ein so besonderes Unternehmen?

Dafür gibt es diverse Gründe. Die KPM ist eine Manufaktur und zwar die älteste, die in Berlin noch produziert – und das tatsächlich mitten in Berlin. Seit Jahrhunderten wird das traditionelle Handwerk hier gelehrt und von Generation zu Generation weitergetragen. Die KPM lebt von den Mitarbeitern, deren Herz in jedem einzelnen Produkt steckt. Wo wird sich noch so viel Zeit für Perfektion genommen?

Wenn ich kein Sammler, Liebhaber oder Fan bin: Was ist Ihr Argument, warum ich mindestens ein Teil der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zuhause benötige?

Wenn Sie Berlin lieben, dann ist es der schönste Liebesbeweis, ein Stück KPM zu besitzen. Das aus meiner Sicht essentielle Stück ist eine KPM Tasse, denn der Kaffee oder Tee schmeckt einfach besser aus ihr. Unsere Formenvielfalt bietet für jeden Geschmack das richtige Design. So starte ich jeden Morgen meinen Tag mit einem Tee aus meiner Kurland Bürotasse. Mein Stück Individualität und ein wahrer Genuss.

Welche Neuheiten stehen in Zukunft aus Ihrem Hause an? Können Sie schon etwas verraten?

Unser Designer Thomas Wenzel arbeitet aktuell an der Weiterentwicklung unserer LAB Serie. Diese wurde und wird von dem historischen Laborporzellan inspiriert. Kaum jemand weiß, dass KPM technische Porzellane gefertigt hat. Sogar Isolatoren, auf denen der Berliner Funkturm steht, sind aus KPM Porzellan. Wir haben auch KPM Zündkerzen in einem alten Horch gefunden. Auf diese innovativen Umsetzungen mit dem Werkstoff Porzellan baut die Serie auf. Aktuell steht dabei die Multifunktionalität der Produkte im Vordergrund.

Jörg Woltmann, BMW 740Le iPerformance
Jörg Woltmann, BMW 740Le iPerformance

Sie haben eine bewegte, super-erfolgreiche berufliche Karriere hingelegt und sind für viele Menschen ein absolutes Vorbild. Welchen Tipp geben Sie jungen, ehrgeizigen Menschen mit auf den Weg?

Vielen Dank. Ich muss dazu sagen, dass ich auch viel Glück hatte. Nichtsdestotrotz steckt sehr viel Disziplin und Arbeit dahinter. Meine Frau sagt immer, der liebe Gott hat vergessen, bei mir den Freizeitchip einzubauen. Ich arbeite sehr gerne und alles was ich tue, mache ich zu einhundert Prozent. Meine Familie steht dabei immer hinter mir. Ich denke, dass man mit diesen Zutaten die Möglichkeit hat, etwas sehr Schmackhaftes zu kochen.

Was war für Sie persönlich eines Ihrer größten Erlebnisse?

Ich habe so viele große Erlebnisse und Momente gehabt – dafür bin ich unendlich glücklich. Jüngst habe ich mit allen meinen Mitarbeitern Geburtstag gefeiert. Dort ist mir erst richtig bewusst geworden, was ich im Laufe der Zeit alles geschaffen habe. Das war ein sehr eindrucksvoller Moment für mich.

Und wie finden Sie unsere Foto-Location? Haben Sie ein großes Faible für schöne Automobile?

Ich bin tatsächlich ein großer Autofan. Der neue BMW 7er ist aus meiner Sicht ein gelungenes Jubiläumswerk. Bescheiden und luxuriös zugleich – genau wie KPM Porzellan. Darum haben wir auch eine Skulptur angefertigt. Dafür haben sich unsere Designer zusammengetan und ein limitiertes Objekt zum 100. Jubiläum geschaffen.

KPM BMW Skulptur, BMW 740Le iPerformance
KPM BMW Skulptur, BMW 740Le iPerformance

Essen Sie oft eine Currywurst oder gehen Sie lieber regelmäßig ins Sterne-Restaurant?

Gegen eine Currywurst ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber um ehrlich zu sein, esse ich am allerliebsten zu Hause.

Und wenn es privat rausgeht: Eher in die Oper oder ab ins Fußballstadion?

Eher in die Oper.

KPM Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin
kpm-berlin.com

BMW 740Le iPerformance
326 PS, 8-Gang Automatikgetriebe
0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
45 Kilometer elektrische Reichweite

Bildergalerie:

Fotos: mariorman pictures

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