Die Szene könnte auch einem Agentenfilm entstammen: Ein bayerischer Braumeister „schmuggelt“ im Handgepäck den Hefestamm der ältesten Klosterbrauerei auf dem Globus per Flugzeug nach Brasilien, um tausende Kilometer vom Freistaat entfernt bayerisches Bier zu brauen. Mit diesem ungewöhnlichen Transport begann vor sieben Jahren eine der kuriosesten Erfolgsgeschichten in der deutschen Bierwelt: Seit 2010 wird in Petrópolis im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro bayerisches Bier gebraut – mit wachsendem Erfolg.

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Mit Weltenburger Klosterhefe, bayerischem Braumalz und Hallertauer Hopfen verwenden die Lizenzpartner im Land des Zuckerhuts die gleichen Rohstoffe wie in Weltenburg mit seiner 1.000-jährigen Braugeschichte. „Zudem bin ich als Experte stets vor Ort in Brasilien, wenn ein neuer Sud eingebraut wird“, sagt der Weltenburger Braumeister Leonhard Resch von der Brauerei Bischofshof, zu der die Klosterbrauerei gehört. Das einzige brasilianische an der südamerikanischen Weltenburger ist das Wasser: „Es hat mit seiner hohen Härte ähnlich günstige Eigenschaften wie das Brauwasser, das wir in Bayern nutzen“, so Resch.

Bayerisches Bier aus Brasilien
Bayerisches Bier aus Brasilien

Ein intensiver Austausch zwischen dem Lizenznehmer, der Grupo Petrópolis, und Weltenburger garantiere, dass die südamerikanische Version genauso schmeckt und genauso aussieht wie das Original aus Bayern. Der brasilianische Braumeister Diego Gomes da Silva ging bei der Regensburger Brauerei in die Lehre und ist bis heute regelmäßig im Freistaat zu Gast.

Weltenburger gehört in Brasilien zum absoluten Premium-Segment: Die Flasche kostet dort zwischen drei und vier Euro – ein Preis, den immer mehr Brasilianer für die Gourmet-Erfahrung gerne bezahlen. Für die Zukunft rechnet das bayerisch-brasilianische Tandem mit weiter steigenden Absatzzahlen – auch weil Weltenburger in diesem Jahr wieder zwei Preise beim härtesten Bierwettbewerb der Welt gewann, dem European Beer Star. Die beiden Weltenburger Medaillengewinner werden nicht nur in Bayern, sondern auch in Brasilien gebraut. Bei der Siegerehrung für den European Beer Star stand auch Diego Gomes da Silva mit auf der Bühne.

Braumeister Diego Gomes da Silva von der Grupo Petrópolis aus dem Bundesstaat Rio de Janeiro und Leonhard Resch von Bischofshof-Weltenburger
Braumeister Diego Gomes da Silva von der Grupo Petrópolis aus dem Bundesstaat Rio de Janeiro und Leonhard Resch von Bischofshof-Weltenburger

„Geburtshelfer“ für die erfolgreiche Partnerschaft war im Jahr 2009 die Krones AG. Sowohl Weltenburger als auch die Gruppe Petrópolis nutzen Abfüllanlagen des Weltmarktführers aus der Nähe von Regensburg. Das brasilianische Unternehmen suchte seinerzeit einen „exklusiven und starken Partner“ in Deutschland, wie es Petropólis-CEO und -Eigentümer Walter Faria einmal formulierte. Heute verbinden ihn und den Weltenburger Brauereidirektor Hermann Goß eine enge Freundschaft.

Die Brasilianer brauen derzeit vier der Weltenburger Bierspezialiatäten in Lizenz: Barock dunkel, Anno 1050, Urtyp hell und ein dunkles Weizen, in Summe inzwischen nach Angaben der Brauerei mehrere hunderttausend Liter jährlich. Das südamerikanische Land ist heute für Weltenburger der wichtigste unter insgesamt rund 30 Auslandsmärkten.

Fotos: obx-news (1), Pixabay, CC0 Public Domain (1) / Quelle: obx-news