Das Gesicht von Tiana Pongs (37) kennen wohl fast alle Deutschen. Denn als Model war die gebürtige Mönchengladbacherin auf ganz hohem Niveau unterwegs und stand für Brands wie Elite Partner, Mercedes, L‘ Oréal, Milka oder Adidas vor der Kamera.

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Unzählige Anzeigen und Kampagnen auf allen TV Sendern sowie in allen Magazinen inklusive. Nun hatte ich nach einem Event die Gelegenheit, Tiana Pongs in Düsseldorf zu treffen. Und wie es so ist, sind Rheinländer von Natur aus sehr gesprächig. Hier ist unser Interview.

Wie und wann hat es alles angefangen mit der Karriere als Model?

Relativ früh, da mein Vater in der Modebranche gearbeitet hat. Er hatte damals in den 1980ern und 1990ern den angesagtesten Klamottenladen am Alten Markt in Mönchengladbach, wo wirklich alle, die etwas auf sich hielten, einkaufen gingen. Dadurch hatte ich dann bereits mit 15 Jahren meinen ersten Job auf der Interjeans in Köln.

Tiana Pongs
Tiana Pongs

Gegenüber war der Carhartt Stand, damals eine sehr angesagte Marke. Ein Jahr später saß ich für Carhartt im Flieger nach Berlin für mein erstes Kampagnen-Shooting als Skaterbraut, was ich zu dem Zeitpunkt auch wirklich war. Ich lief mit weiten Jeans rum, Sneakern und Tank-Tops, ging am liebsten Surfen und hasste die Schule (lacht).

Was war bisher Dein absolutes Job-Highlight?

Ein spezielles Highlight in dem Sinne habe ich nicht wirklich, aber sicherlich ein paar besondere Momente. Eine Geschichte beispielsweise war der Dreh für einen Milka-Werbespot in Kapstadt. Wir wurden morgens sehr früh zum Set gefahren und man erzählte uns, dass das Filmteam kurz zuvor den Film „Blood Diamond“ mit Leonardo DiCaprio abgedreht hatte. Als wir dann am Set ankamen – und ich die ganzen LkW’s und Menschen sah – war ich plötzlich völlig eingeschüchtert.

Der Regisseur hatte es dadurch anfangs nicht leicht mit mir und veranstaltete eine Art Schauspielübung vor versammelter Mannschaft. Die bestand darin, immer lauter mein Lieblingsessen zu sagen. Bis zu dem Punkt, es am Ende lauthals zu brüllen vor knapp 300 Leuten, die mucksmäuschenstill waren – und mich alle mit großen Augen anstarrten, mitten auf einer Wiese in den Bergen von Stellenbosch.

Ich habe den Regisseur in dem Moment gehasst, obwohl ich schon verstand, was er erreichen wollte. Es war eine innere Grenze, die ich überschreiten musste. Heute bin ich ihm für diese Aktion sogar dankbar und muss echt schmunzeln, wenn ich daran denke.

Eine andere lustige Anekdote war das Cover-Shooting für die Toten Hosen, wir waren einhundert nackte Frauen und die Band. Damals wurden noch Pola’s gemacht, um das Licht zu kontrollieren. Jedenfalls wurde Campino, als alles soweit endlich an Ort und Stelle stand, nochmal zur Fotografin gerufen, um besagtes Pola zu kontrollieren.

Tiana Pongs
Tiana Pongs

Ich werde niemals seinen hochroten Kopf vergessen, als er sich dann splitternackt vor rund zweihundert Augen auf den Weg nach vorne machte – und wieder zurück (lacht). Ein paar Tage nach dem Shooting haben wir noch einen handgeschriebenen Brief von ihm bekommen, ganz lieb geschrieben und eine Einladung zu egal welchem Konzert. Den Brief hab ich immer noch, nur auf einem Konzert, da war ich bis heute leider nicht.

Und was stehen aktuell für Projekte an?

Das Modeln habe ich inzwischen auf ein Minimum reduziert. Die Luft ist einfach raus, nach so vielen Jahren ist das auch legitim, denke ich. Mein Management und ich haben viele Gespräche geführt, wohin meine Reise denn jetzt gehen soll in Zukunft. Anfangs war ich von dieser Frage völlig überfordert und orientierungslos und wusste erstmal nur tausend Dinge, die ich nicht mehr wollte.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich rausgefunden habe, dass ich es weiterhin mag, vor der Kamera zu stehen, aber das typische Modelbusiness hinter mir lassen muss. Ich möchte in Zukunft nur noch für zwei bis drei Firmen Markenbotschafterin sein. Firmen, hinter denen ich zu einhundert Prozent stehe, authentisch und mit ganzem Herzen.

Das lässt sich auch super mit meiner Social Media Aktivität verbinden, allerdings lege ich sehr großen Wert auf längerfristige Kooperationen, unter einem halben Jahr mache ich gar nichts. Ich finde es unglaublich unauthentisch, wenn man alle paar Tage eine Kette von einem anderen Label postet oder Beauty Produkte, die man nie und nimmer benutzt. Damit verarscht man seine Fans und Follower nur – und schiesst sich am Ende ein Eigentor.

Und das vielleicht Wichtigste für mich: Ich habe jetzt eine Schauspiel-Agentur in Hamburg, von der ich vertreten werde, und möchte endlich in 2018 etwas für meine Schauspiel-Ausbildung und -Fortbildung tun, denn das war immer mein ganz großer Wunsch. Für sowas muss man allerdings den Kopf frei haben.

Ich denke, dass ich die letzten zwei Jahre hart daran gearbeitet habe, mir diesen Wunsch nun endlich zu erfüllen. Ich habe zwar schon eine einigermaßen lange TV Vita und durfte in kleineren Nebenrollen bei Daily Soaps wie „Verbotene Liebe“ und „Unter Uns“ mitwirken, aber ich bin dann nicht dran geblieben.

Du siehst bei Instagram immer top-gestylt aus. Woher nimmst Du Inspirationen für Outfits und Fotos?

Top gestylt bin ich gewiss nicht immer, ich liebe meine Jogginghosen, im Sommer meine Flip Flops und meinen Pferdeschwanz und schminke mich privat nur ganz selten. Alle die mich privat kennen, wissen das natürlich – und wundern sich immer wenn sie meine Bilder sehen! Ich poste nicht täglich was, sondern nur, wenn ich wirklich Content habe. Das heißt, ich habe gerade einen Job oder bin auf Reisen oder bei einem Event.

Und in diesen Momenten bin ich gestylt und habe natürlich auch den passenden Hintergrund für schöne Fotos. Auf der anderen Seite folge ich tollen Profilen wie einer @ohhcouture und @tuulavintage bei Instagram. Mehr Inspiration, als diese Mädels da abliefern, geht nicht.

Was bedeutet das Thema Travel für Dich?

Ich reise sehr sehr gerne, daher habe ich auch angefangen, einen Travel Blog zu schreiben. Das Ganze ist aber mehr wie eine Art Tagebuch für mich, so auch der Name „Model’s Diary“. Ich war schon immer ein kleiner Nomade, der es nicht lange an einem Ort ausgehalten hat. Wegen meines Sohnes und der Schule wohne ich nun schon seit längerer Zeit an einem Ort, aber ohne ihn…

Oh my God, ich will gar nicht drüber nachdenken. Ich wäre sicherlich nicht mal mehr in Europa, sondern irgendwo in den Staaten. Ich reise gerne, ich mache gerne Fotos, warum also nicht andere Leute daran teilhaben lassen – und vielleicht sogar mal eine Inspiration liefern oder den einen oder anderen Tipp!

Tiana Pongs
Tiana Pongs

Ich freue mich, wenn ich sehe, dass der Blog bereits mehrere tausend Leser im Monat hat. Ich bekomme auch immer mehr Anfragen für Gastbeiträge, aber ich habe ehrlich gesagt keinen Schimmer, ob und was sich daraus vielleicht noch entwickelt.

Gibt es Themen, für die Du Dich engagierst, die Dir am Herzen liegen?

Soziale Dinge haben mir schon immer am Herzen gelegen. Ich habe mit 16 meine erste Patenschaft abgeschlossen und das von meinem Taschengeld finanziert, meine Mutter hat mich für völlig verrückt erklärt. Denn ich hatte nur noch 5,- Euro übrig. Ich bin jetzt seit mehreren Jahren Botschafterin von Kidsaid e.V. in Köln und wir machen lustigerweise genau das: Wir sammeln Geld für Patenschaften für Kinder in Ländern der Dritten Welt.

Ich fände es irgendwann toll, wenn mein Sohn aus dem Haus ist und auf eigenen Beinen steht, tatsächlich mal längere Zeit nach Afrika oder Asien zu gehen und wahrhaftig mit den eigenen Händen was aufzubauen. Am liebsten mit einem Partner, der dieselben Ambitionen hat.

Hast Du Benzin im Blut? Wenn ja, für welche Automobile schlägt Dein Herz?

Haha, na ja, also einer meiner besten Freunde war Rennfahrer und hat jetzt seinen eigenen Rennstall. Dadurch war ich schon einige Male mit am Nürburgring oder in Zaandvoort und natürlich auch mit in der Box beim Rennen. Die Motorengeräusche sind schon ziemlich geil und das ganze Flair drumherum auch. Wobei ich selbst jetzt kein schnelles oder lautes Auto haben möchte, ich fahre seit Jahren SUV’s.

Im Moment einen Q5 und vorher 15 Jahre lang nur BMW. Desweiteren betreibt einer meiner Ex-Freunde mit der „Classic Remise“ in Düsseldorf ein tolles Museum für Oldtimer. Also selbst wenn ich kein Benzin im Blut habe, die Männer in meinem Leben hatten es zumindest immer (lacht).

Möchtest Du der Welt noch etwas mitteilen, das von Google nicht vergessen wird?

Ich habe im Sommer 2017 ein Start-up mit einem befreundeten Fotografen gegründet, einen Online Shop namens Artlovin. Wir machen im Grunde dasselbe wie Juniqe und Desenio, nur etwas hochwertiger, was das Papier und die Drucke angeht.

Tiana Pongs
Tiana Pongs

Auf die Idee kam ich, weil ich seit Jahren gute Sprüche gesammelt habe. Schöne Sprüche liebe ich einfach, egal ob Lebensweisheiten oder welche, über die man lachen muss. Ich habe sie als Bilder bei mir hängen oder am Kühlschrank, phasenweise sogar auf meinen Rechner geklebt.

Und Sebastian macht tolle Fotos, also eine sehr gute Kombination. Im Moment sind wir noch im Aufbau, aber sobald ich das Gefühl habe, es reicht, werden wir hier medial und marketingtechnisch Vollgas geben…

Web: tianapongs.com
Instagram: @tianapongs

Fotos: Tiana Pongs via Sebastian Brüll, Martin Höhne, Instagram

Rubriken: Ladies