Dialog und Dinner im Dunkeln: Wenn die Augen nutzlos sind

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Das Hamburger Konzept des Abendessens im Dunkeln erfreut sich weltweit zunehmender Beliebtheit. Auch in Paris, London oder Moskau lässt man es sich nun bei vollkommener Finsternis schmecken und stößt dabei auf unerwartete Schwierigkeiten.

Das Konzept: Wenn Sehende plötzlich Probleme haben

Beim Dinner in the Dark sollen sehende Personen erkunden, wie es ist, ohne den bedeutenden Sehsinn zurecht zu kommen. Der Abend beginnt mit einem Sektempfang im Hellen, bei dem den Gästen ein Stock überreicht wird.

Dinner in the Dark
Dinner in the Dark

Dieser soll ihnen bei der Erkundung ihrer Umgebung in der vollkommenen Finsternis helfen, die darauf folgt. Man wird vom blinden Personal vorsichtig an die Tische geführt. Bereits der Weg dorthin erweist sich für viele als Herausforderung. Die Gäste verlassen sich auf ihre erfahrenen Begleitungen. Am Tisch angekommen müssen Gabel, Messer oder Weinglas vorsichtig ertastet werden. Auch das Gegenüber ist nicht zu erkennen.

Allein die Stimme der anderen Personen am Tisch verhilft zu etwas Orientierung. Auch beim Einschenken der eigenen Getränke kommen erste Schwierigkeiten auf. Woran merkt man, dass das Glas voll ist? Auch das Anstoßen mit anderen Gästen erweist sich als äußerst schwierig, wenn absolut nichts zu sehen ist.

Neue Erfahrungen für den Geschmackssinn

Bekanntermaßen isst das Auge mit. Dies ist auch beim Dinner im Dunkeln deutlich zu spüren. Die Gäste müssen versuchen, allein anhand Ihres Geschmackssinnes zu erkennen, was sich vor ihnen auf dem Teller befindet. Nicht selten kann nur ungenau definiert werden, um welche Speisen es sich handeln soll.

Dinner in the Dark
Dinner in the Dark

Für viele sollte dies jedoch eine durchaus interessante Erfahrung sein, kulinarische Leckereien einmal anders und mit verstärkter Intensivität zu erleben. Das gesamte Menü wird übrigens ebenfalls von einem sehbehinderten Personal serviert, das sich hier als Experte herausstellt, wenn es für alle anderen plötzlich schwierig wird.

Dialog im Dunkeln: Die Welt ohne Augen erkunden

Wem das Dinner im Dunkeln bereits gut gefallen hat, kann beim Hamburger Dialog im Dunkeln noch weitere Alltagssituationen als Blinder kennenlernen. Das Museum in der Speicherstadt ist im Inneren absolut finster. Als Gast kann man sich somit nur über Fühlen, Riechen und Hören orientieren.

Gemeinsam mit den blinden Ausstellungsführern werden sechs verschiedene Räume erkundet. Vielleicht handelt es sich hierbei um einen Park oder eine Bar? Man lernt alltägliche Dinge hier auf eine ganz andere Weise kennen. Es findet ein regelrechter Rollentausch statt: Denn nun leiten die Blinden die Sehenden souverän durch die Ausstellung.

Dinner in the Dark
Dinner in the Dark

Es dürfen natürlich auch viele Fragen gestellt werden, um die Hürden besser zu meistern und zu erfahren, wie andere Menschen dies täglich tun. Dialog im Dunkeln ist daher immer einen Ausflug wert.

Fotos: © istock.com/Casarsa (1), Pixabay, CC0 Public Domain

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