Von meiner neuen Heimat in München sind es gerade mal 130 Kilometer bis zur beschaulichen Burgstadt Hilpoltstein. Hier, fernab jeglicher urbaner Hektik, residiert seit 1948 die Schuhmanufaktur Hackner. Seit mittlerweile drei Generationen versorgt die Familie ihre Kunden mit maßgefertigtem Schuhwerk.

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Ob nun Laufschuhe, Sneaker, Rennschuhe oder perfekt sitzender Business-Schuh – hier wird nichts dem Zufall überlassen, wie uns auch die Führung durch die heiligen Hallen von Hackner zeigte. Preislich beginnen die Schuhe bei 450,- Euro.

Zahlreiche prominente Persönlichkeiten schätzen die exklusiven Kreationen von Michael Hackner. So sendet zum Beispiel Rennfahrer-Legende Walter Röhrl seit Jahren seine im Training bis zum Anschlag malträtierten Rennschuhe regelmäßig zum Neuaufsohlen an die Schuhmacher. Man ist verführt zu fragen, welche Note seine legendären Füße der Nase entlocken – aber die Frage verkneife ich mir dann doch lieber.

Zum Interview haben wir Michael Hackner dann trotzdem gebeten. Natürlich stilecht im Fond des Lexus RX 450hL, der ebenso wie die Schuhmanufaktur unter dem Vorsatz der Nachhaltigkeit gebaut wurde. Das 313 PS starke SUV wurde im Gegensatz zum regulären RX um elf Zentimeter in die Länge gestreckt – und bietet so im Fond nun Platz satt. Perfekt also für ein neues Backseat-Interview.

Michael Hackner mit dem Lexus RX 450hL (2019)
Michael Hackner mit dem Lexus RX 450hL (2019)

Kaum Platz genommen im scharfkantigen Japaner rutscht Michael Hackner ein Satz raus, der den Lexus gleich in andere Sphähren hievt: „Ich bin sehr überrascht, das Leder ist auf Porsche Niveau!“ Und wenn jemand eine Ahnung von Leder hat, dann wohl der Mann der perfekten Schuhe.

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Herr Hackner, Sie vertreten mit Ihrem Bruder mittlerweile die dritte Generation der Firma. War es für Sie schon immer klar, dass Sie die Firma fortführen werden?

Ich hatte von meinen Eltern aus schon immer die Freiheit, beruflich etwas anderes machen zu können, aber für mich ist meine Arbeit in der Tat Berufung. Schon als kleiner Junge habe ich meinem Großvater begeistert bei seiner Arbeit zugesehen. Und war immer riesig stolz auf die Schuhe, die er für mich gemacht hat. Das hat mich nachhaltig geprägt und ich merkte schnell, dass ich mich hier vollkommen verwirklichen kann: Und es das ist was ich machen möchte – perfektes Schuhwerk.

Sie sind selbst begeisterter Läufer. Was hat Sie an regulären Laufschuhen so gestört, dass sie sich dem Projekt Runnertune verschrieben haben?

Zum einen ist es der Fakt, dass bis auf wenige Ausnahmen, Sportschuhe fast ausschließlich nicht mehr in Deutschland gefertigt werden. Das wollte ich anders machen, denn Deutschland – insbesondere Franken – ist ja quasi die Wiege des Sportschuhs. Zweitens haben mich als Läufer die Produkte der großen Hersteller oftmals enttäuscht, da viele der angepriesenen „Super-Technologien“ größtenteils auch „Marketing-Versprechen“ sind, wenn man als Fachmann hinter die Fassade blickt.

Und ich wollte ein ehrliches Produkt machen. Drittens sollte es ein nachhaltiges, hochqualitatives Produkt sein, dass auch repariert werden kann – Laufschuhe sind in der Regel nicht mehr zu reparieren. Und natürlich sollte es zeitlos und auch noch nach Jahren verfügbar sein. Nichts ist für einen Läufer ärgerlicher, als wenn er endlich den passenden Laufschuh gefunden hat und dieser nach einer Saison nicht mehr oder nicht mehr so produziert wird.

Was war der bisher skurrilste Kundenauftrag? Hat Sie schon jemand in die Verzweiflung getrieben?

Skurril ist dafür nicht der richtige Ausdruck – „herausfordernd“ wäre hier das bessere Wort. Der herausforderndste Auftrag bisher war es einen Fahrerschuh basierend auf unserem Vitallo Monoposto passend zu einem sehr besonderen Fahrzeug anzufertigen, einem Porsche 911 Sport Classic. Ein sehr exklusives Sondermodell mit einer einzigartigen Innenausstattung aus gewebtem Leder. Aus eben diesem Leder und mit der offiziellen Erlaubnis aus Zuffenhausen sollten zwei Paar Schuhe für Kunden dieses Fahrzeugs angefertigt werden. Das Ergebnis war am Ende so gut, dass Porsche den Schuh in das offizielle Porsche-Museum-Buch aufgenommen hat.

Michael Hackner
Michael Hackner

Ein Standpunkt in Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein Must-Have für jede Firma. Sie haben sich dem Thema schon angenommen, lange bevor es den Zwang dazu gab. Was genau macht das Nachhaltigkeitsbewusstsein von Hackner aus?

Nachhaltigkeit hat sich ja mittlerweile leider zu einem Modewort entwickelt, ähnlich wie der Begriff Manufaktur. Um was es uns geht, ist gelebte sowie praktizierte Nachhaltigkeit. Das beginnt mit kurzen Wegen zur Arbeit für unsere Mitarbeiter, geht über ökologische Leder aus Deutschland kombiniert mit einer Climatocork-Innenausstattung (aus dem nachwachsenden Rohstoff Kork) und endet mit dem Recycling unserer Materialreste bei einem benachbarten Umweltunternehmen.

Und ganz oben steht natürlich die Produktqualität. Erst vor kurzem kam ein 24 Jahre alter Wanderschuh zu uns in die Manufaktur um neu besohlt zu werden – so etwas macht uns stolz und ist ein Beweis für echte Nachhaltigkeit und unsere Unternehmensphilosophie.

Was macht die Schuhmanufaktur Hackner so besonders, so einzigartig?

Es ist die spannende Kombination aus Tradition und Innovation. Das Beste aus zwei Welten gepaart mit einem zeitlosen und charakteristischen Design. Wir schaffen den Gegenpol zum derzeitigen Trend der „Vermassung“ vieler angesehener Luxushersteller und günstiger industrieller Produktion im Ausland. Die Schuhmanufaktur Hackner steht für wirkliche Werte und einzigartige Schuhkreationen „handmade in Germany“.

Die Landschaft rund um Hilpoltstein scheint sich für eine flotte Kurvenfahrt geradezu perfekt anzubieten. Was versteckt sich in Ihrer Garage?

Das stimmt, wir haben einige sehr schöne Strecken hier im Fränkischen Seenland, die zu einer Ausfahrt einladen. Ich bin in den 1990er Jahren aufgewachsen und dementsprechend fasziniert von Fahrzeugen aus dieser Zeit. Markenübergreifend hat diese Epoche grandiose Autos hervorgebracht: Ehrliche Autos mit begrenzter Elektronik, starkem Design und jeder Menge Fahrspaß. Also um es kurz zu machen: ein Youngtimer.

Michael Hackner
Michael Hackner

Toyota und Lexus gelten als Vorreiter der modernen Hybrid-Technologie. Was ist Ihr Eindruck vom Lexus RX 450hL? Schon mal selbst mit einem Hybrid geliebäugelt?

Ich bin sehr technikaffin und daher auch immer an alternativen Antriebskonzepten interessiert. Ich finde es toll, dass Firmen wie Toyota hier eine Vorreiterrolle einnehmen und dadurch eine ganze Branche motivieren, fortschrittliche Konzepte zu entwickeln. Ich persönlich sehe noch ein Problem mit den Batterien bei der Elektrifizierung der Fahrzeuge. Sie erzeugen viel zusätzliches Gewicht und müssen auch wieder aus begrenzten Ressourcen hergestellt werden. Ich bin daher sehr gespannt, wie sich die Brennstoffzellen-Technologie entwickelt.

Gerade in der Kombination mit den fortschrittlichen „Power-to-Gas“ Ansätzen aus regenerativen Energien scheint mir das ein hochinteressantes Zukunftsmodell.

Wann kommt die Generation Nummer vier?

Ein sehr schöner Gedanke für die Zukunft. Derzeit liegt der Fokus aber noch auf der Entwicklung neuer Schuhkreationen.

Weißwürstel oder Nürnberger?

Als Franke und Bayer mache ich das ganz diplomatisch von der Tageszeit abhängig, denn beides schmeckt hervorragend. Vor 12:00 Uhr Weißwürste, nach 12:00 Uhr die Nürnberger.

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Am frühen Abend erreiche ich wieder München. 260 Kilometer mehr auf der Tachonadel und ein Verbrauch von gerade mal acht Litern. Mehr als genügsam. Lexus weiß halt, wie es geht. Und Michael Hackner nebst Familie ebenso. Weitere Impressionen zum Thema sehen Sie hier in der Bildergalerie bei „Shots“.

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Fotos: @marioroman_pictures / Web: schuhmanufaktur-hackner.de