Der Nissan Leaf II mit einer 40-Kilowattstunden Batterie war im vergangenen Jahr Europas meistverkauftes Elektroauto. Das Fahrzeug gilt als sehr guter Allrounder im Nahbereich, ist jedoch nur sehr eingeschränkt langstreckentauglich. Der Grund: Der japanische Autobauer Nissan verzichtete bei dem Auto auf eine aktive Kühlung des Batteriesystems – damit kommt es bei längeren Fahrten oder höheren Außentemperaturen zum sogenannten Rapidgate-Effekt.

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Dabei wird der Akku vom Fahren und Laden immer wärmer und die Schnellladung wird deutlich gedrosselt. Am Temperatur-Limit des Akkus kann es sogar zu einer Leistungsbeschränkung im Fahrbetrieb und einer Maximalgeschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde kommen, um die Batterie zu schützen.

Mittlerweile hat die Elektroauto-Vermietung Nextmove die ersten Nissan Leaf E+ erhalten. Das Elektroauto der neuen Generation verfügt über eine 62-Kilowattstunden Batterie und deutlich mehr Motorleistung, aber weiterhin nicht über eine aktive Batteriekühlung.

Ein Nissan Leaf von Nextmove am Hockenheimring (ddp images).
Ein Nissan Leaf von Nextmove am Hockenheimring (ddp images).

„In ersten Praxistests auf der Langstrecke hat sich gezeigt: Selbst bei moderater Fahrweise ist nur die erste Nachladung einigermaßen schnell“, berichtet Nextmove-Geschäftsführer Stefan Moeller.

Ein Test von Nextmove über 1.000 km an einem Tag bestätigte diese Einschätzung. Die Autobahnfahrt mit dem Nissan Leaf E+ führte beim Rapidgate-Praxistest rasch zu Batterietemperaturen jenseits der 50 Grad. Die Ladeleistung bei den Ladestopps Nummer zwei bis fünf lag jeweils im Bereich von 20 Kilowatt. Damit beträgt die Ladezeit circa zwei Stunden für 200 Kilometer an Nachladung.

„Wir verstehen Nissan nicht ganz: Noch zu Jahresbeginn war ein Lüfter-System angekündigt, um die Ladeleistung der neuen Generation zu verbessern“, so Stefan Moeller. Für Käufer der 40-kWh Variante gab es zwischenzeitlich auf Nachfrage die Möglichkeit für ein Software-Update, das jedoch nur geringfügig höhere Ladeleistungen ermöglicht.

Model in einem Nissan Leaf während des 81. Internationalen Automobil-Salon in Genf (ddp images).
Model in einem Nissan Leaf während des 81. Internationalen Automobil-Salon in Genf (ddp images).

Nach vielen Kundenbeschwerden im Jahr 2018 kommuniziert Nissan nun die langen Ladezeiten des neuen Leaf offensiver. Auf der Nissan-Homepage heißt es zum neuen Leaf: Schnellladung „von 20 auf 80 Prozent in circa 90 Minuten“. Diese Angabe passt nicht – das Testfahrzeug schaffte dies in der Praxis beim ersten Ladestopp immerhin in 50 Minuten und damit 45 Prozent schneller.

Weiter heißt es bei Nissan: „Die Ladezeit ist abhängig von den Ladebedingungen, unter anderem Schnellladetyp und -bedingungen, Batteriekapazität sowie Umgebungs- und Batterietemperatur zum Ladezeitpunkt. Der Nissan Leaf ist mit der ‚Charging Safeguard Technology‘ ausgestattet, die die Batterie schützt, wenn viele Schnellladevorgänge innerhalb eines kurzen Zeitraums vorgenommen werden. Die Ladezeit mehrerer aufeinander folgender Schnellladevorgänge hintereinander kann sich verlängern, wenn die Batteriemanagementsystem die ‚Charging Safeguard Technology‘ aufgrund der Batterietemperatur aktiviert.“

Autonom einparkender Nissan Leaf in den USA (ddp images).
Autonom einparkender Nissan Leaf in den USA (ddp images).

Hinter dieser Technologie verbirgt sich jedoch kein aktiver Eingriff, sondern eben nur eine schlichte Drosselung der Ladeleistung. Eine Leistungsreduzierung im Fahrbetrieb konnte Nextmove beim Leaf E+ bisher nicht feststellen. Stefan Moeller: „Natürlich frage ich mich, wieso eine so große Batterie verbaut wird, die ausreichende Langstrecken-Reichweiten verspricht, aber auf das von vergleichbaren Autos wie dem Kia E-Niro und dem Hyundai Kona bekannte Thermomanagement verzichtet wird.“

Damit habe der Käufer des Nissan Leaf E+ lediglich einen Komfortvorteil: Für den alltäglichen Stadtverkehr genüge es, einmal pro Woche aufzuladen. „Wer – so wie ich – häufiger mehr als 500 Kilometer an einem Tag fahren möchte, für den ist das Auto leider keine Alternative. Eigentlich schade, denn insgesamt ist der Leaf ein tolles Gesamtpaket und bietet jede Menge Fahrspaß“, so Stefan Moeller.

Nissan Leaf auf dem Internationalen Automobil-Salon in Genf (ddp images).
Nissan Leaf auf dem Internationalen Automobil-Salon in Genf (ddp images).

Nextmove ist mit aktuell 380 Fahrzeugen die führende Elektroauto-Vermietung und ist in zehn Städten präsent. Zum Fuhrpark zählen alle gängigen Elektroautos wie Tesla von Model S bis Model 3, Audi E-tron, Jaguar I-Pace, Kia E-Niro, Hyundai Kona, Hyundai Ioniq, Nissan Leaf, VW E-Golf, Opel Ampera-E, BMW i3s, Renault Zoe und Smart sowie die Transporter Nissan E-NV200 und Renault Kangoo.

Shots Magazin / © Fotos: ddpimages.com / Quelle Nextmove

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