Europa diskutiert, BYD liefert. Während sich viele etablierte Hersteller noch mit Softwareproblemen, Plattformwechseln und Preisstrukturen beschäftigen, schiebt BYD den nächsten Evolutionsschritt ins Kompakt-SUV-Segment.


Der Atto 3 Evo wirkt wie ein sanftes Update, ist technisch aber ein klarer Angriff. Der wichtigste Punkt: 800 Volt.

Während ein Großteil der direkten Konkurrenz noch auf 400-Volt-Technik setzt, bringt BYD nun eine Ladeleistung von bis zu 220 kW ins Spiel. Entscheidend ist dabei nicht nur der Peak, sondern die stabile Ladekurve.

BYD Atto 3 Evo
BYD Atto 3 Evo

Allrad optional

Ergebnis: In rund 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Das ist kein Marketingwert, sondern kann alltagstauglich sein, je nach Lebensumständen. Dass das AC-Laden weiterhin bei 11 kW bleibt, wirkt dagegen fast wie ein Relikt aus der alten Generation.

Auch beim Antrieb macht BYD kurzen Prozess. Frontantrieb? Geschichte. Stattdessen gibt es Heckantrieb mit 313 PS. Wer mehr will, bekommt Allrad mit 449 PS und 560 Newtonmetern.

Der Sprint auf 100 km/h in 3,9 Sekunden ist eine Ansage. Viele etablierte Hersteller bieten solche Werte nur in deutlich teureren Performance-Versionen.

Die größere Batterie mit 74,8 kWh ermöglicht bis zu 510 Kilometer an Reichweite. Selbst die Allradversion schafft noch rund 470 Kilometer. Damit bleibt der BYD trotz Leistungsplus gut anwendbar.

BYD Atto 3 Evo
BYD Atto 3 Evo

Innen sachlich

Gleichzeitig wächst auch der Nutzwert. 490 Liter Kofferraum, bis zu 1360 Liter maximal, dazu ein 101 Liter großer Frunk. Und weil das noch nicht reicht, darf der Atto 3 Evo nun bis zu 1,5 Tonnen ziehen. Praktisch statt nur elektrisch.

Im Innenraum bleibt BYD sachlich. Ordentliche Materialien, gekühlte induktive Ladeschale, drehbares Display. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig.

Der NFC-Zugang per Smartphone ersetzt den Schlüssel, die Klimaanlage lässt sich vorab per App steuern. Komfortabel, modern, funktional. Weniger überzeugend bleibt die starke Touchscreen-Abhängigkeit.

Hier zeigt sich, dass auch BYD nicht alles besser macht. Auf der Straße wirkt der Atto 3 Evo erstaunlich souverän.

BYD Atto 3 Evo
BYD Atto 3 Evo

Fährt sauber

Leise, komfortabel und mit sauber abgestimmter Leistungsentfaltung. Das Fahrwerk ist innerorts straff, auf der Autobahn angenehm ausgewogen.

Wirklich sportlich ist das Ganze nicht, muss es aber auch nicht sein. Die Lenkung bleibt präzise genug, ohne den Atto 3 Evo zum Kurvenkünstler mutieren zu lassen. Unverständlich bleibt der Verzicht auf echtes One-Pedal-Driving.

Spannend wird der Blick auf die Konkurrenz. VW ID.4, Skoda Enyaq oder andere etablierte Modelle bieten häufig weniger Leistung und meist noch 400-Volt-Technik.

Fahrzeuge mit 800 Volt liegen oft preislich deutlich höher. Der BYD positioniert sich genau dazwischen – technisch modern, leistungsstark und preislich aggressiv.

Autor Mario-Roman Lambrecht mit dem BYD Atto 3 Evo
Autor Mario-Roman Lambrecht mit dem BYD Atto 3 Evo

Lange Garantie

Und genau beim Preis wird es unangenehm für die Konkurrenz. Rund 44.990 Euro Einstieg, knapp über 50.000 Euro für die Allradversion. Mit Bonusaktionen sinkt das Niveau derzeit unter 35.000 Euro.

Dazu gibt es sechs Jahre Garantie und bis zu acht Jahre oder 250.000 Kilometer auf die Batterie. Und plötzlich steht ein 449-PS-Allrad-SUV mit 800-Volt-Technik im Preisbereich klassischer Kompakt-Elektroautos.

Der BYD Atto 3 Evo zeigt damit ziemlich deutlich, wohin die Reise geht. Mehr Leistung, schnellere Ladezeiten und mehr Alltagstauglichkeit – ohne Premium-Aufpreis.

Während Europa noch sortiert, schafft BYD Fakten. Und genau das dürfte vielen Herstellern deutlich mehr Kopfschmerzen bereiten als jedes Facelift…

Sierks Media / © Fotos: marioroman pictures

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