Mit fallenden Temperaturen werden an den Anzug höhere Anforderungen gestellt. Der Stoff müsse wärmen, jedoch nicht schwer und klobig wirken, der Schnitt Platz für eine Weste oder einen feinen Strickpullover lassen.
Und auf Einladungen zu Firmenfeiern, Galas und Jahresempfängen prangen wieder Dresscodes, deren Bedeutung nicht immer klar ist.
Mit drei Kriterien – dem Gewicht des Stoffes, der Angaben zur Wollfeinheit und der Passform – wird die Orientierung einfacher.
Stoffgewicht: Warum Gramm mehr verraten als die Farbe
Tuchwebereien geben das Gewicht ihrer Anzugstoffe meist in Gramm pro laufendem Meter an. Leichte Sommerqualitäten liegen häufig bei etwa 230 bis 260 Gramm. Für Herbst und Winter sind Stoffe ab rund 300 Gramm üblich, schwere Flanelle erreichen 340 Gramm und mehr. Mehr Gewicht bedeutet dabei nicht nur Wärme. Schwere Tuche fallen ruhiger, knittern weniger und halten die Bügelfalte länger.
Neben Flanell, dessen aufgeraute Oberfläche Luft einschließt, kommen in der kalten Saison dichte Twills, Kammgarne mit Kaschmiranteil oder Tweed zum Einsatz.
Wer einen Anzug Herren für die Wintermonate auswählt, schaut deshalb zuerst auf Grammatur und Webart und erst danach auf Farbe oder Muster. Dunkle Grau- und Blautöne passen zu den meisten beruflichen Anlässen.
Was „Super 100s“ und „Super 150s“ tatsächlich aussagen
Die Super-Angabe auf dem Etikett beschreibt die Feinheit der Wollfaser. Über die Qualität des fertigen Anzugs sagt sie allein wenig aus. Grundlage ist der Code of Practice der International Wool Textile Organisation (IWTO). Laut der Woolmark-Spezifikation zur Wollfaserqualität darf ein Stoff mit der Bezeichnung Super 100s einen mittleren Faserdurchmesser von höchstens 18,75 Mikrometern haben. Bei Super 110s sind es 18,25 Mikrometer.
Jede Zehnerstufe entspricht also einem halben Mikrometer feinerer Faser. In den USA ist diese Staffelung im Wool Products Labeling Act der Federal Trade Commission gesetzlich festgeschrieben, Super 150s liegt dort bei 16,25 Mikrometern.
Feinere Fasern fühlen sich weicher an. Sie reagieren jedoch empfindlicher auf Abrieb und Knitter. Für Anzüge, die mehrmals pro Woche getragen werden, gelten Qualitäten zwischen Super 100s und Super 130s im Schneiderhandwerk häufig als belastbarer Kompromiss.

Passform: Woran ein guter Sitz erkennbar ist
Die Schulter bestimmt die Grundgröße. Die Naht endet dort, wo die natürliche Schulter endet, ohne Überhang und ohne Zug. Ein einfacher Test: Beim seitlichen Anlehnen an eine Wand berühren Schulter und Sakkoschulter die Fläche gleichzeitig.
Die Ärmel enden am Handgelenk, sodass etwa ein bis eineinhalb Zentimeter der Hemdmanschette sichtbar bleiben. Das Sakko bedeckt im Idealfall das Gesäß.
Für den Winter lohnt sich eine Anprobe mit der Kleidung, die später darunter getragen wird. Eine Weste oder ein dünner Merinopullover verändert den Brustumfang um mehrere Zentimeter. Schulter und Kragen lassen sich nachträglich kaum korrigieren, Ärmel und Hosenlänge dagegen meist ohne großen Aufwand.
Dresscodes im Winter: Was die Einladung verlangt
Zwischen Oktober und Januar häufen sich Abendveranstaltungen mit Vorgaben zur Kleidung. Eine Dresscode-Übersicht von t3n ordnet die gängigen Begriffe von locker bis festlich. Business Attire steht für einen seriösen, dunklen Anzug mit Krawatte. Bei Cocktail ist ebenfalls ein dunkler Anzug angemessen. Black Tie verlangt dagegen den Smoking. Steht auf der Einladung „kleiner Gesellschaftsanzug“ oder „Cravate Noire“, ist derselbe Dresscode gemeint.
Für die eigene Garderobe bedeutet das: Ein gut sitzender Anzug in Anthrazit oder Marine aus mittelschwerem Wollstoff deckt die Mehrzahl der Anlässe ab. Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf das Etikett mit Stoffgewicht, Super-Angabe und Materialzusammensetzung.
Wer regelmäßig zu formellen Abendterminen eingeladen ist, plant den Smoking als zweites Teil ein und lässt beide Stücke bei Bedarf vom Schneider anpassen.
Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: zatletic (1), fashionstock (1), de.depositphotos.com
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