Die Sicherheit von Elektroautos in Tiefgaragen und Tunneln beschäftigt viele Menschen in Deutschland – gerade jetzt, wenn zahlreiche Familien mit dem Auto in den Sommerurlaub starten.


Laut einer repräsentativen Befragung von Civey im Auftrag des Direktversicherers DA Direkt hält mehr als jeder zweite Mensch die E-Autos in Tunneln und Tiefgaragen für brandgefährlich.

Wird die Fahrt in den Urlaub mit erzwungener Verbreitung der Elektromobilität also tatsächlich zu einem größeren Risiko?

Experten widersprechen dieser weit verbreiteten Annahme deutlich: Weder ist das Brandrisiko von E-Autos generell erhöht, noch gelten für sie pauschal strengere Einschränkungen in Tunneln oder Parkhäusern.

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Wie gefährlich sind E-Autos in Tunneln und Tiefgaragen wirklich?

56 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass von Elektrofahrzeugen in Tunneln oder Tiefgaragen ein höheres Brandrisiko ausgeht als von Verbrennern. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer (GDV) brennen Elektroautos jedoch nicht häufiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Ausgenommen sind natürlich die große Anzahl der von Rückrufen betroffenen Fahrzeuge, bei denen selbst die Autohersteller darauf hinweisen, den Elektrowagen möglichst weit entfernt von allen Gebäuden zu parken.

Richtig ist, dass die Feuerwehren mittlerweile über umfassende Erfahrungen im Umgang mit Elektrofahrzeugen verfügen und spezialisierte Einsatzpläne für den Ernstfall bereithalten. Die massiv Probleme beim Brand von Stromern mindert das trotzdem nicht.

Feuergefahr Elektroauto

Wenn ein E-Auto brennt, ist das größte Problem meist nicht die sichtbare Flamme, sondern die Batterie: Sie kann sich durch einen Thermal Runaway selbst weiter erhitzen und erneut entzünden.

Für die Feuerwehr bedeutet das oft mehr Aufwand, viel Kühlwasser, längere Einsatzdauer und eine anschließende Temperaturüberwachung.

Bei einem Batteriebrand läuft die Energie im Inneren der Zellen ab, nicht nur an der Oberfläche. Die Hitze kann von Zelle zu Zelle überspringen, sodass der Brand sehr lange schwer beherrschbar bleibt.

Deshalb reicht Feuer aus oft nicht, die Batterie muss weiter gekühlt werden, um ein Wiederaufflammen zu verhindern.

◉ Sehr hohe Hitze und starke Rauchentwicklung.
◉ Wiederentzündung, auch nach dem ersten Löschen.
◉ Giftige Brandgase, weshalb Einsatzkräfte mit vollem Atemschutz arbeiten.
◉ Großer Wasserbedarf und längere Sperrzeiten des Fahrzeugs oder Einsatzortes.

Feuergefahr Elektroauto

Für Tunnel und Tiefgaragen gelten Sicherheitskonzepte, die unabhängig vom Antrieb eines in Brand geratenen Fahrzeugs greifen. Dazu zählen einheitliche bauliche und sicherheitstechnische Standards wie Belüftungssysteme, Fluchtwege und Brandmeldetechnik.

Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt, ordnet die seltenen Fälle ein, in denen Parkhausbetreiber nun Verbote für Elektroautos aussprechen: Diese seien in aller Regel auf unzureichende bauliche Gegebenheiten oder ungenügende Lüftungsanlagen zurückzuführen.

So könnten etwa beengte Platzverhältnisse wie geringe Deckenhöhen unter 2,10 Metern eine Bergung durch Feuerwehrfahrzeuge erschweren. Schuld ist nach dieser These also nicht die Technik des Elektroautos, sondern der Immobilienbesitzer.

Wie werden brennende E-Autos in Tunneln und Tiefgaragen gelöscht?

Zur Löschmethode: Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass Batteriebrände nicht mit Wasser gelöscht werden dürfen. Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt.

Brennende Batterien erzeugen den für die Verbrennung notwendigen Sauerstoff direkt von innen. Deshalb lässt sich ein Akkubrand nicht mit klassischen Methoden wie Löschdecken, Sand oder Schaum ersticken.

Brennende E-Autos werden daher mit Wasser gekühlt, bis der Brandherd erlischt. Das kann Stunden oder Tage dauern. Um eine Wiederentzündung zu vermeiden, kommen zusätzlich Löschcontainer zum Einsatz, in denen das Fahrzeug weiter gekühlt wird.

Wer haftet für die Schäden bei einem E-Auto-Brand?

Große Unsicherheit besteht auch bei der Frage, wer im Schadensfall haftet – besonders in Tiefgaragen oder gemeinschaftlich genutzten Anlagen.

Sieben von zehn Befragten wissen nicht, ob Brandschäden an E-Autos von der Teilkaskoversicherung übernommen werden. Komplizierter wird es zusätzlich in Tiefgaragen oder gemeinschaftlich genutzten Parkanlagen.

Die wichtigsten Punkte zur Haftung im Überblick:

➡️ Brandschäden am eigenen Fahrzeug sind unabhängig von der Antriebsart sowohl über die Vollkasko- als auch über die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Liegt ein Verschulden vor, werden Schäden an Gebäuden oder anderen Fahrzeugen über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers reguliert. Für Betreiber von Parkhäusern und Tiefgaragen gelten dabei die gleichen Haftungsmaßstäbe wie bei konventionellen Fahrzeugen.

➡️ Versicherungsexpertin Silvia Künnemann fasst zusammen: Die Befragungsergebnisse zeigten eine große Unsicherheit beim Versicherungsschutz, dabei sei die Rechtslage eindeutig. Elektroautos seien regulär in bestehende Versicherungssysteme integriert.

Wahrscheinlich sind die Versicherungsbeiträge deswegen auch teurer als bei Benziner- oder Diesel-Modellen. Aufschläge von über 40 Prozent sind im Vergleich bekannterweise keine Seltenheit…

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