Die aktuellen Kommentare unserer Leserinnen und Leser zu Artikeln über Elektroautos sind niederschmetternd, besonders in der beliebten App von „News Republic“, wo all unsere Beiträge zu lesen sind. Fast immer, wenn wir über ein neues Elektroauto berichten, wird dieses Fahrzeug in den Kommentaren gegrillt und gekillt.

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Dass die Hersteller versuchen, ihre Stromer mit geringer Reichweite, oft unzureichender Höchstgeschwindigkeit und hohen Preisen als urbane Mobilität zu verkaufen, ist aus PR Sicht der Pressestellen nachzuvollziehen. Denn wer, außer besserverdienende Städter mit einem Faible für eine gesunde Umwelt, sollte auch sonst Elektroautos kaufen?

Die Schwächen der Fahrzeuge – inklusive der Infrastruktur von einheitlich nutzbaren Ladesäulen – liegen offen in den vorher genannten Punkten auf der Hand. Egal wo man hinhört, sei es im eigenen Berufsumfeld oder in der Familie: Niemand plant, sich ein Elektroauto zu kaufen.

Dazu kommt die Tatsache, dass im kompletten Jahr 2018 in Deutschland gerade einmal 36.062 Neuzulassungen von Elektroautos aktenkundig wurden, was einem Anteil von 1,05 Prozent am Gesamtvolumen entspricht. Und darunter dürften sich sehr viele gewerblich genutzte Fahrzeuge befinden.

Mini-Chef Bernd Körber meinte diese Woche bei der Weltpremiere des Mini Cooper SE in Rotterdam: „Mit einer Beschleunigung von 3,9 Sekunden auf 60 km/h hält der Cooper SE viele Sportwagen beim Ampelstart auf Distanz.“ Eine fast lächerlich wirkende Aussage, wenn die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs auf 150 km/h begrenzt ist. E-Mini-Fahrer könnten sich also auf Ampelrennen als absolutes Highlight freuen?

Und wenn selbst BMW-Entwicklungsleiter Klaus Fröhlich verlauten lässt, dass die Europäer diese Dinge nicht kaufen werden (Quelle: ecomento.de) und Professor Günther Schuh, einer der führenden Köpfe hinter dem E-Postwagen Streetscooter sowie Gründer von e.Go mit dem Kleinwagen Life meint, dass der Kunde keine Elektroautos will (Quelle: vision-mobility.de), wirft das für mich die Frage auf: Sind Elektroautos jetzt schon gescheitert?

Hier mal ein paar Fragen, die wir aus seriösen Kommentaren gesammelt haben und die die Käufer von Neuwagen wirklich beschäftigen – und auf die kein Automobilhersteller mit seinen aktuellen oder angekündigten Elektroautos eine Antwort hat:

– Wann gibt es ein marktreifes Elektroauto, das einen vernünftigen Preis und eine hinnehmbare sowie verlässliche Reichweite von mindestens 500 Kilometern hat?

– Wie soll ein Autofahrer, der mitten in Hamburg, München oder Berlin in einer normalen Wohnung lebt und an der Straße oder auf einem Stellplatz parkt, ein Elektroauto aufladen?

– Warum sind alle Elektroautos so teuer? Die Hersteller machen doch eh Verlust damit, also könnten sie doch billiger verkauft werden, damit die Fahrzeuge wenigstens auf die Straße kommen?

– Wenn ein Opel Corsa-e satte 32.900,- Euro kostet: Wie kann das den Verbrauchern logisch erklärt und überhaupt zugemutet werden?

– Wie lädt ein Familienvater sein Elektro-SUV mit Strom auf, wenn er mit Frau und Kindern samt Wohnwagen in den Urlaub fährt und stundenlang im Stau stehen muss?

– Falls es irgendwann in Zukunft eine ausreichende Anzahl von Ladesäulen geben sollte: Wer sorgt dafür, dass man diese bequem nutzen kann, ohne verschiedenen Apps und Ladesystemen seine persönlichen Daten anvertrauen zu müssen?

– Elektroautos transportieren keine Emotionen. Die Hersteller haben es vermasselt. Wer sollte das noch ändern können?

– Wann sehen wir unsere prominenten Entscheider, auch aus der Politik, die Elektroautos subventionieren und predigen, nur noch in exakt solchen Autos?

– Wer garantiert uns eigentlich, dass die Batterien von der Produktion bis zur Entsorgung sowie bei größerem Absatz genauso umweltfreundlich oder -schädlich sind, wie es Benziner und Diesel sind?

– Was nützt es, wenn wir Elektroautos fahren und in anderen Ländern, zum Beispiel in Osteuropa, unsere ausrangierten Diesel günstig auf den Markt kommen? Und was ist mit der globalen Umweltbilanz unserer Schrottautos, die zum Beispiel nach Afrika exportiert und dort noch jahrelang gefahren werden?

Falls jemand Antworten auf diese Fragen hat, bin ich per E-Mail unter editor@shots.media zu erreichen. Und schreibe gerne einen neuen Artikel, um das Thema weiter zu verfolgen.

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Rubriken: Cars