Der Pirelli Kalender 2027 wurde nun in Neu-Delhi vorgestellt. Im Mittelpunkt der 53. Ausgabe steht Indien.
Erstmals in der Geschichte des Kalenders vereint das Projekt die Arbeiten dreier Fotografen, die jeweils einen eigenen Blick auf das Land eröffnen.
Die Vision von Sølve Sundsbø, der bereits die Ausgabe 2026 fotografierte, wird durch die Perspektiven von Raghu Rai ergänzt, dem im April 2026 verstorbenen Meister der indischen Fotografie, sowie durch die seiner Tochter Avani Rai.
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Sølve Sundsbø, Raghu Rai und Avani Rai: Ein fotografischer Dialog
Denn nach dem Tod ihres Vaters führte sie dessen Arbeit an dem Projekt fort und bewahrte so sein fotografisches Vermächtnis. Entstanden ist ein Dialog über Menschen und Orte, Schönheit und Erinnerung, Vergangenheit und Gegenwart.
„Schließ die Augen und denk an Indien. Was siehst du? Vielleicht eine Farbe, ein Gesicht, eine belebte Straße, eine Landschaft, ein Ritual. Doch Indien ist niemals nur eines davon. Es ist ein Land, in dem verschiedene Epochen, Traditionen und Realitäten nebeneinander existieren. Hier verschmelzen das Vergangene und die Gegenwart in ein und demselben Bild“, sagt Sølve Sundsbø.
„Ich hatte nicht das Gefühl, Indien in seiner ganzen Komplexität darstellen zu können. Ich hätte mir das auch nicht anmaßen wollen. Deshalb habe ich es Raghu und Avani Rai überlassen, das Wesen des Landes in seiner ganzen Tiefe einzufangen. Ich selbst habe mich darauf konzentriert, außergewöhnliche indische Frauen zu porträtieren und dabei mit den Texturen ihrer Kleidung, mit Farben und Kontrasten zu spielen.“
Raghu Rai: Sechs Jahrzehnte Fotografie und ein Vermächtnis
Seit 1965 hielt Raghu Rai den Alltag in Indien fotografisch fest und dokumentierte mehr als sechs Jahrzehnte lang das öffentliche und private Leben des Landes.
Für den Pirelli Kalender 2027 hatte er sich vorgenommen, Aufnahmen aus seinem Archiv mit Gesichtern des heutigen Indiens zu verbinden. Bis zu seinem Tod im April 2026 arbeitete er an dem Projekt.
Daraufhin entschied sich seine Tochter Avani, seine Arbeit auf sehr persönliche Weise fortzuführen. Sie holte veröffentlichte und bislang unveröffentlichte Fotografien ihres Vaters aus dem Studio und brachte sie zurück auf die Straßen von Delhi und Mumbai, neben die Menschen, die heute an diesen Orten leben.
Avani Rai: Zurück auf die Straßen von Delhi und Mumbai
Menschen, Architektur, Bewegung, Licht und Rituale fließen so in ihre Aufnahmen ein, und die Städte selbst werden zu lebendigen Akteuren der Bildkomposition.
„Mein Vater gehörte zur Straße. Deshalb habe ich seine Idee, an der er gearbeitet hatte, aufgegriffen und auf die Straßen zurückgebracht, mitten unter Menschen, die er sein ganzes Leben lang fotografiert hatte“, sagt Avani. „Ich trete einen Schritt zurück, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Ich stehe hinter ihm.“
Avani wählte Fotografien aus, die ihr Vater viele Jahre zuvor aufgenommen hatte, und kehrte an einige der ursprünglichen Schauplätze zurück. Dabei nahm sie eine andere Perspektive ein als Raghu Rai damals. Das Originalfoto bleibt erhalten und wird Teil einer umfassenderen Komposition, in der verschiedene Zeiten und Realitäten nebeneinander bestehen.

Alt-Delhi und modernes Mumbai: Die Schauplätze von Avani Rai
Avanis Arbeit entfaltet sich zwischen der Atmosphäre der Straßen von Alt-Delhi und dem modernen Mumbai. In Delhi fängt sie Orte ein, an denen Traditionen bis heute präsent sind: den Blumenmarkt, die belebten Gassen und eine Schule.
Mumbai zeigt sich dagegen von seiner zeitgenössischen Seite, geprägt von der Mode- und Filmindustrie, der Skyline der Millionenmetropole sowie den Treffpunkten der Jugend, von den Dächern der Wolkenkratzer bis hin zum Fischerdorf.
Rund 130 Personen wirkten an Avani Rais Fotografien mit, darunter Menschen aus dem Alltag, junge Leute, Tänzerinnen und Tänzer, Performance-Künstler, Models und Kunsthandwerker ebenso wie ihre eigene Mutter und der gefeierte indische Superstar Ranveer Singh.
Neun außergewöhnliche Frauen: Die Besetzung von Sølve Sundsbø
Zwischen dem Jaigarh Fort in Jaipur und Ajabgarh im indischen Bundesstaat Rajasthan porträtierte Sølve Sundsbø neun Frauen, die auf unterschiedliche Weise mit Indien verbunden sind. „Für mich sind die Menschen der Schlüssel zum Kalender“, sagt er. „Wir wollten ganz unterschiedliche Persönlichkeiten porträtieren: Dichterinnen, Musikerinnen, Architektinnen, Models und Schauspielerinnen.“
Zur Besetzung gehören die Schauspielerinnen Aditi Rao Hydari und Avantika Vandanapu, die Schauspielerin und Produzentin Freida Pinto, die Musikerin und Komponistin Anoushka Shankar, die Dichterin und Performerin Rupi Kaur sowie die Models Lakshmi Menon und Bhavitha Mandava.
Hinzu kommen die Autorin, Produzentin und Fernsehmoderatorin Padma Lakshmi und Avani Rai selbst, die sowohl hinter ihrer Kamera agiert als auch vor Sundsbøs Objektiv zu sehen ist.
Pirelli Kalender 2027 als Box-Set: Entstehung und Umfang
Der Pirelli Kalender 2027 entstand zwischen Mai und September 2026.
Er erscheint als Box-Set mit zwei separaten Fächern und umfasst insgesamt 36 Fotografien.
18 Aufnahmen sind von Sølve Sundsbø und 18 Bilder kommen aus dem gemeinsamen Projekt von Raghu und Avani Rai.
Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: Aalok Soni, Getty Images for Pirelli (1), Pirelli Calendar 2027 by Sølve Sundsbø (1)
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