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Der Oldtimer-Markt in Deutschland boomt entgegen aktueller Medienberichte weiterhin. Laut Kraftfahrt-Bundesamt steigt die Zahl historischer Fahrzeuge kontinuierlich, während sich das Käuferinteresse zunehmend auf Youngtimer der 1990er und frühen 2000er Jahre verlagert.
Die jüngsten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) widerlegen die These vom Ende des Garagengolds.
Denn der Bestand an Pkw mit Oldtimerstatus wuchs von 793.589 Fahrzeugen im Jahr 2023 auf 846.562 im Jahr 2024 – ein Plus von 6,7 Prozent.
Anfang 2025 wurden bereits 888.355 Oldtimer gezählt, was einem weiteren Anstieg von 4,9 Prozent entspricht.
Generationenwechsel prägt den Markt
Die Gesamtzahl der Fahrzeuge ab 30 Jahren lag im vergangenen Oktober bei über 1,55 Millionen. Hinzu kommen mehr als 4,65 Millionen Youngtimer mit einem Alter von über 20 Jahren.
Diese Zahlen belegen eine deutliche Verschiebung innerhalb des historischen Fahrzeugmarktes. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) beobachtet einen klaren Trend.
Während traditionelle Oldtimer aus der Zeit vor 1970 – abgesehen von Kultmodellen wie dem VW Käfer oder Mercedes-Benz 300 SL – an Attraktivität verlieren, steigt das Interesse an jüngeren Klassikern. Verantwortlich dafür ist vor allem ein Generationenwechsel unter den Käufern.
Alltagstauglichkeit statt Wertanlage
Die neue Sammlergeneration im Alter von 40 bis 50 Jahren bevorzugt Fahrzeuge aus der eigenen Jugend, idealerweise im Originalzustand und mit geringer Laufleistung.
Besonders gefragt sind Modelle wie das Audi Coupé, der BMW 3er (E36), der Porsche 944 oder der VW Golf IV. Ein weiterer Faktor für diese Entwicklung: Die Abkehr vom reinen Anlageobjekt hin zu technisch zuverlässigen historischen Fahrzeugen, die sich auch im Alltag nutzen lassen.
Die gute Verfügbarkeit von Original-Ersatzteilen und qualifiziertem Fachpersonal spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wertentwicklung bleibt selektiv
Die Historic Automobile Group International (HAGI) verzeichnet bei Fahrzeugen mit hoher Verfügbarkeit Preisrückgänge – etwa bei Mercedes-Benz Pagoden aus den 1960er Jahren oder dem Porsche 911 F-Modell (1965 bis 1973).
HAGI-Experte Dietrich Hatlapa betont jedoch: „Zustand, Historie und Dokumentation sind ebenso entscheidend für die Wertentwicklung. Der Markt ist sehr selektiv.“
Als Beispiel nennt er einen BMW Z3 M, der trotz hoher Produktionszahlen deutlich über dem Marktpreis verkauft wurde – ausschlaggebend war eine seltene Lackierung.
Messen verzeichnen Besucherrekorde
Die anhaltende Begeisterung zeigt sich auch bei Klassik-Messen: Die Techno Classica in Essen zählte zuletzt knapp 200.000 Besucher, die Retro Classics in Stuttgart fast 80.000. Beide Veranstaltungen verzeichneten 2025 steigende Besucherzahlen und mehr Aussteller.
Der Deutsche Oldtimer-Index (DOX) entwickelt sich seit Jahren positiv. Zu den Fahrzeugen mit der größten Wertentwicklung gehören der Ford Taunus 20 M mit 23,8 Prozent Zuwachs sowie der Opel Rekord C 1700 mit 11,4 Prozent.
Der AvD engagiert sich aktiv für den Erhalt des automobilen Kulturguts und bietet Mitgliedern bei der Oldtimer-Versicherung besondere Leistungen und Sonderkonditionen.
Sierks Media / © Fotos: Y-Boychenko, de.depositphotos.com





