Ein verpasster Anschlussflug, ein Nachtflug mit langer Wartezeit oder ein Layover über mehrere Stunden: Für viele Reisende endet der Tag nicht im Hotelbett, sondern auf einer Bank im Terminal.
Wie erholsam eine solche unfreiwillige Nacht wird, hängt maßgeblich vom Flughafen selbst ab. Der Reiseveranstalter „Fit Reisen“ hat deshalb 165 europäische Flughäfen auf ihren Schlafkomfort untersucht – von Ruhezonen über Schlafkabinen bis hin zu Duschen.
Bewertet wurden 23 Kriterien in sechs Kategorien: Betrieb und Zugang, Schlafmöglichkeiten, Hygiene und Versorgung, Sicherheit, Konnektivität und Zusatzkomfort. Nur ein einziger Flughafen erreicht dabei die volle Punktzahl.
Amsterdam Schiphol erreicht als einziger Flughafen 100 Punkte
Amsterdam Airport Schiphol sichert sich mit voller Punktzahl den Spitzenplatz und ist damit der schlaffreundlichste Flughafen Europas. Der rund um die Uhr geöffnete Hub erlaubt Ticketinhabern die nächtliche Nutzung des Sicherheitsbereichs und bietet ausgewiesene Ruhezonen wie den Holland Boulevard sowie Bereiche zwischen den Gates E und F.
Wer mehr Privatsphäre wünscht, bucht eine GoSleep-Kapsel oder übernachtet im Transithotel Yotelair beziehungsweise Mercure direkt im Sicherheitsbereich. Duschen, durchgehend geöffnete Gastronomie, Schließfächer, unbegrenztes Wlan und ein Spa runden das Angebot ab.
Frankfurt Airport landet auf Platz 2 – bester deutscher Flughafen
Mit 96,7 von 100 Punkten verpasst der Frankfurt Airport die Höchstpunktzahl nur knapp. Als größtes deutsches Drehkreuz bleibt der Flughafen durchgehend geöffnet, Ticketinhaber dürfen auch nachts im Sicherheitsbereich bleiben.
Ruhezonen und Ruhesessel im Transitbereich laden zur kurzen Pause ein, für ungestörten Schlaf stehen NapCabs-Schlafkabinen in Terminal 1 sowie 59 Kammern des Transithotels My Cloud bereit. Direkt angebunden sind zudem das Sheraton und das Hilton im Gebäude The Squaire. Einzig eine nachts frei nutzbare Dusche fehlt im Vergleich zu Amsterdam.
Weitere Top-Platzierungen: Istanbul, Warschau und Helsinki
Den dritten Platz belegt der İstanbul Airport mit 95,7 Punkten. Der Mega-Hub zwischen Europa und Asien bietet sechs kostenlose NapZones mit Ruhesesseln sowie rund 25 Sleepod-Kabinen nahe den D-Gates. Auf Rang 4 folgt der Warsaw Chopin Airport mit 94,0 Punkten, dank GoSleep-Kabinen, drei Lounges mit Ruhemöglichkeit und nachts nutzbaren Duschen – eine Ausstattung, die viele Mitbewerber vermissen lassen.
Die Top 5 komplettiert der Helsinki Vantaa Airport mit 90,7 Punkten, dessen Herzstück der kostenlos zugängliche Maja Living Room ist. Dahinter bleibt das Niveau zunächst hoch: London Gatwick und London Heathrow teilen sich mit je 89,8 Punkten Rang 6, gefolgt von Kopenhagen und Stockholm-Arlanda (je 88,1) sowie Prag (87,4). Auch Zürich, Barcelona-El Prat, Rom-Fiumicino und Wien mischen in der Spitzengruppe mit.

An Drehkreuzen schläft es sich deutlich besser
Ein zentrales Muster des Rankings: Große Drehkreuz-Flughäfen erreichen im Schnitt 86,2 von 100 Punkten, reine Ziel- und Herkunftsflughäfen dagegen nur 39,2 Punkte. 15 der 19 Bestplatzierten sind Hubs – ein klares Indiz dafür, wie stark internationales Transferaufkommen den Ausbau von Ruhezonen, Lounges und Schlafkabinen antreibt.
Der Median über alle 165 untersuchten Flughäfen liegt bei nur 41,0 Punkten, die Hälfte Europas bietet also höchstens durchschnittlichen Schlafkomfort. Premium-Komfort bleibt dabei die Ausnahme: Nachts nutzbare Duschen bieten lediglich 6,1 Prozent aller Flughäfen, Schlafkabinen 14,5 Prozent und ausgewiesene Ruhezonen 17 Prozent.
Dass ein bekannter Name keinen Komfort garantiert, zeigt Rom: Während Fiumicino auf Rang 13 klettert, fällt der Stadtflughafen Ciampino auf Platz 99 zurück, weil er nachts schließt. Auch Paris-Charles-de-Gaulle rutscht trotz guter Ausstattung wegen gehäufter Diebstahlmeldungen auf Rang 17.
Deutschland: starke Spitze, schwaches Mittelfeld
Für die deutschen Flughäfen liest sich das Ranking wie ein Bergprofil mit steilem Abfall. An der Spitze überzeugt das Trio aus Frankfurt (Platz 2), München (Platz 13) und Köln/Bonn (Platz 16) – alle drei sind nachts geöffnet, dulden Schlafende und bieten Schlafkabinen.
Danach geht es spürbar bergab: Berlin folgt erst auf Rang 29, weil zwar Pods, eine Lounge und eine 24-Stunden-Versorgung vorhanden sind, ausgewiesene Ruhezonen und Liegesessel aber fehlen. Nürnberg taucht sogar erst auf Platz 42 auf. Besonders auffällig ist Düsseldorf: Einer der meistfrequentierten Passagierflughäfen Deutschlands erreicht nur Rang 44 mit 63,8 Punkten. Der Grund ist typisch für das deutsche Mittelfeld – sobald der letzte Flieger weg ist, schließt der Sicherheitsbereich, und gestrandete Reisende warten vor der Kontrolle auf Bänken ohne Ruhezone oder Schlafkabine.
Ähnlich ergeht es Hamburg (Platz 54) und Stuttgart (Platz 57). Am Ende der 165 Flughäfen teilt sich Dortmund mit Saarbrücken und Kassel den letzten Platz.
Wo Deutschland punktet – und wo es verschläft
Bei einem Kriterium liegt Deutschland klar vorn: Ein fußläufig erreichbares Hotel gibt es an 19 der 25 deutschen Flughäfen, also 76 Prozent, während es im übrigen Europa nur gut jeder zweite Flughafen bietet. Auch nachts geöffnete Cafés und für Fluggäste zugängliche Fitnessräume sind hierzulande überdurchschnittlich verbreitet. Die deutsche Devise lautet damit eher Komfort im Hotel nebenan als im Terminal selbst.
Der stärkste Hebel für erholsamen Schlaf am Flughafen ist die simple Frage, ob ein Standort nachts geöffnet ist und das Übernachten im Terminal überhaupt duldet. Wer nachts schließt, rutscht fast automatisch ins hintere Feld, unabhängig von Größe oder Bekanntheit.
Für Reisende, die mit ungeplanten Wartezeiten rechnen müssen, lohnt sich daher vorab ein Blick darauf, ob der jeweilige Flughafen zur schlaffreundlichen Spitzengruppe zählt oder eher zum breiten europäischen Mittelfeld…
Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: Elnur_ (1), iakovenko123 (1), de.depositphotos.com / Quelle: Fit Reisen
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