China entwickelt sich mit beeindruckender Dynamik zu einem der einflussreichsten Quellmärkte im globalen Tourismus.
Nicht nur die schiere Menge an Reisenden, sondern vor allem der strukturelle Wandel in deren Erwartungen und Buchungsverhalten zieht die Aufmerksamkeit von Destinationen, Hotelkonzernen und Reiseveranstaltern weltweit auf sich.
Analyse von GlobalData
Das zeigt nun der aktuelle Bericht „China Source Tourism Insight by Domestic and Outbound Tourism“ des Marktforschungs- und Analysespezialisten GlobalData.
Demnach soll die Zahl der Inlandsreisen bis 2029 auf rund 4,08 Milliarden ansteigen – ein Beleg für die anhaltend hohe Reiselust innerhalb des Landes. Parallel dazu wächst der Outbound-Bereich: Bis 2029 werden 176,65 Millionen Auslandsreisen erwartet.
Beide Segmente zusammen verstärken Chinas Position als globaler Impulsgeber für Reiseströme, Destinationsstrategien und Tourismusausgaben.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Inlandsreisen bis 2029 | 4,08 Mrd. |
| Auslandsreisen bis 2029 | 176,65 Mio. |
| Inlandsausgaben 2029 | 678 Mrd. $ |
| Kulinarische Angebote als Reisemotivation | 31 % |
| Empfehlungen aus persönlichem Umfeld | 15 % |
| Erschwinglichkeit als Hauptkriterium | 10 % |
Freizeit dominiert – Familien reisen mehr
Unter den Reisemotiven liegt Freizeit klar vorne: Im Jahr 2025 entfielen 70,83 Prozent aller Auslandsreisen auf Urlaubs- und Erholungsreisen. Familien stellen mit 53,27 Prozent das größte Reisesegment, gefolgt von Gruppenreisen mit einem Anteil von 24,41 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, welche Zielgruppen für internationale Destinationen besonders relevant sind.
„Chinas Reise-Comeback ist mehr als eine Erholung – es ist ein struktureller Wandel. Der Markt ist größer, erlebnisorientierter und preisbewusster als je zuvor“, sagt Shagun Sachdeva, Practice Head Travel & Tourism, GlobalData.
Junge Reisende als Motor der Nachfrage
Besonders auffällig ist die Dominanz der 15- bis 24-Jährigen: Sie stellen laut GlobalData-Daten die aktivste Reisegruppe, sowohl bei Inlands- als auch bei Auslandsreisen. Dahinter steckt eine strukturell positive Nachricht für die Branche – junge Konsumenten, die heute erlebnisorientiert reisen, bauen langfristige Reisegewohnheiten auf und bilden eine nachhaltige Nachfragebasis für kommende Jahrzehnte.
Für Tourismusanbieter ergeben sich daraus konkrete Chancen: VIP-Flughafenservices, Privat-Guides, Partnerschaften mit Luxushotels, Michelin-Restaurants und exklusive Kulturerlebnisse – etwa privater Zugang zu Museen, Backstage-Events oder Weinbergbesuche in kleinen Gruppen – sprechen zahlungskräftige Zielgruppen gezielt an.
Essen, Empfehlungen und Erschwinglichkeit
Wer chinesische Reisende für sich gewinnen möchte, sollte ihre Motivationslage genau kennen. Die GlobalData Consumer Survey aus dem dritten Quartal 2024 zeigt: 31 Prozent der Befragten aus China nennen kulinarische Angebote als wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Reiseziels.
Weitere 15 Prozent verlassen sich auf Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld. Lediglich zehn Prozent geben an, dass der Preis der ausschlaggebende Faktor ist – ein deutlicher Unterschied zum globalen Durchschnitt, bei dem 26 Prozent den Kostenpunkt als entscheidend bewerten.
China ist ein hochgradig digitaler Reisemarkt. Soziale Medien, mobile Endgeräte und chinesischsprachige Plattformen spielen bei der Reiseplanung und -buchung eine zentrale Rolle.

So buchen chinesische Reisende
Für Anbieter bedeutet das: Wer im chinesischen Markt punkten möchte, braucht mehr als eine gut übersetzte Website. Entscheidend sind maßgeschneiderte Produktgestaltung für Familien, Paare, Senioren und die Generation Z, dynamische Reisepakete sowie flexible Planungen.
Hinzu kommen praktische Anforderungen: 24/7-Kundendienst über Messaging-Dienste, klare Informationen zu Einreise und Visafragen, reibungslose Buchungsprozesse und die Akzeptanz chinesischer Zahlungsmethoden.
Social-Commerce-Ansätze und eine engere Anbindung an global genutzte Bezahlplattformen können die Konversionsrate deutlich verbessern und die Kundenbindung stärken.
Europa gewinnt als Premiumziel
Innerhalb der Outbound-Destinationen bleibt der Asien-Pazifik-Raum das wichtigste Zielgebiet. Hongkong, Macau, Thailand und Japan werden bis 2029 laut GlobalData kräftige Wachstumsraten verzeichnen. Gleichzeitig holt Europa als Langstreckenziel auf: Frankreich und Deutschland profitieren, trotz inländischer Probleme, von ihrem Ruf als Luxus-Reisedestinationen, von Kulturangeboten und der Beliebtheit durch Mehrstopp-Reisen in mehrere Länder.
Der Inlandstourismus bleibt derweil das Rückgrat des chinesischen Reisemarktes. Er macht 95,6 Prozent aller Reisen im Jahr 2025 aus, und die damit verbundenen Ausgaben sollen bis 2029 auf 678 Milliarden US-Dollar anwachsen – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7,84 Prozent (CAGR).
Shagun Sachdeva meint: „Wer jetzt in digitale Kompetenz investiert, Produkte auf spezifische Reisesegmente zuschneidet und ein starkes Erlebnisökosystem aufbaut, wird von Chinas Reisemomentum am stärksten profitieren.“
China-Readiness als Wettbewerbsvorteil
Chinas Reisemarkt ist kein einfacher Wachstumsmarkt mehr – er ist ein komplexes, segmentiertes und technologiegetriebenes Ökosystem. Destinationen und Reiseanbieter, die auf chinesischsprachige digitale Kanäle, erlebnisorientierte Angebote und nahtlose Zahlungslösungen setzen, verschaffen sich einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil.
Dazu kommt die Sensibilität des Marktes gegenüber geopolitischen Entwicklungen und Nachhaltigkeitsthemen – zwei Faktoren, die strategische Planung zunehmend beeinflussen.
Für 2026 gilt daher: Wer chinesische Reisende wirklich verstehen und gewinnen will, muss über Statistiken hinausblicken und auf die Tiefe des Wandels eingehen, der diesen Markt gerade neu definiert.
Sierks Media / © Fotos: vidarnm, de.depositphotos.com (1), Jamie Street, Unsplash (1) / Quelle: globaldata.com
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