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Deutschland erlebt gerade einen dieser historischen Momente, bei denen man sich fragt: Ist das noch ein Benzinpreis oder schon eine flüssige Kunstinstallation, die direkt auf mein Konto zugreift?
Diesel kostet aktuell manchmal rund 2,10 € pro Liter, Benzin kratzt lässig an den 2,50 € – und wer sich den Luxus gönnt, an der Autobahn zu tanken, der zahlt noch mehr, ungefähr so, als würde der Sprit vorher noch von einem Sommelier dekantiert werden.
Nervöse Geldzähler
Der Hauptgrund für die aktuelle Preisexplosion ist der Kriegsausbruch im Iran, der den Ölmarkt so nervös gemacht hat wie die Geldzähler in den Mineralöl-Konzernen.
Zusätzlich haut die zum Jahresbeginn 2026 erhöhte CO₂-Abgabe nochmal etwa 15 bis 20 Cent pro Liter drauf. Man könnte also sagen: Der Planet wird in Deutschland gerettet – mit einer Tankfüllung nach der anderen.
Doch lassen wir die Fakten kurz beiseite und betrachten die wirklich wichtigen Dinge: das mittlerweile luxuriöse Erlebnis des Tankens.
Tankfüllung oder Handtasche?
Wer einen Sportwagen fährt, kennt das neue Preisniveau bereits vom Shoppen. Eine volle Tankfüllung fühlt sich inzwischen ungefähr an wie der spontane Kauf einer Louis-Vuitton-Handtasche – nur dass sie nach 400 Kilometern nicht einfach wieder weg ist. Fashion nennt man das.
Bei großen SUVs ist es noch romantischer: Da nähert sich der Betrag an der Zapfsäule langsam dem Preis eines Wochenendtrips nach Mallorca. Nur ohne Strand. Ohne Sangria. Und ohne Mallorca. Aber dafür mit Quittung.
Experten erklären die Lage natürlich mit geopolitischen Spannungen, Fördermengen, Handelsströmen, dringend benötigten Steuern und Märkten. Realistisch betrachtet ist es aber vermutlich so: Der Sprit wird inzwischen handgemacht.

Übers Wasser laufen
Irgendwo im Nahen Osten sitzt ein Meisterdestillateur, der das Rohöl seit letzter Woche in kleinen Kupferkesseln rührt, während vergoldete Mulis die Kanister in Richtung Europa tragen. Kurz vor unserem Kontinent steigen sie dann vom Schiff ab und laufen übers Wasser, damit der Premiumaufschlag auch wirklich gerechtfertigt ist.
Und trotzdem gilt hierzulande eine eiserne Regel: Jetzt erst recht tanken. Wir fahren nicht weniger, wir fahren demonstrativ mehr. Wir fahren Umwege. Wir fahren zum Bäcker, der direkt nebenan ist.
Wir lassen den Motor im Stand warm laufen, die ganze Nacht und den ganzen Tag, rund um die Uhr, einfach um die historische Preisgestaltung zu würdigen.
Sprit auf Kredit
Denn wenn fünf Liter Benzin schon so viel kosten wie ein guter Cocktail in einer monegassischen Rooftop-Bar, dann möchte man wenigstens dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird.
Es soll sogar schon Leute geben, die Benzinkanister an der Tankstelle volltanken, obwohl sie gar kein Auto haben. Das Erlebnis der bundesweiten Diesel- und Benzin-Party steht also im Vordergrund.
Außerdem: Wenn das so weitergeht, wird der Moment kommen, in dem man beim Kassieren nicht mehr fragt: „Super oder Diesel, mit Karte oder Cash?“ Sondern: „Finanzieren oder leasen?“
Sierks Media / © Foto: Symbolbilder – KI-generierte Visualisierungen erstellt mit Microsoft Designer (designer.microsoft.com) und DALL·E (OpenAI)










