Cross-Border Commerce Europe hat nun die fünfte Ausgabe seines jährlichen Rankings „Top 500 Fashion, Beauty & Luxury Cross-Border Retail Europe 2026″ veröffentlicht.
Die Studie der Brüsseler Plattform zur Förderung des grenzüberschreitenden E-Commerce in Europa listet die führenden Online-Händler und Marktplätze für Mode, Beauty und Luxus, die europaweit aktiv sind.
Der Report zeigt: Der europäische Online-Markt für diese Warengruppen tritt in eine reifere und wettbewerbsintensivere Phase ein, in der etablierte Cross-Border-Händler mit schwächerer Konsumnachfrage, Inflationsdruck und verschärftem Preiswettbewerb kämpfen, während Marktplätze, Digital-First-Marken und Re-Commerce-Anbieter an Boden gewinnen.
Umsatzentwicklung der Top 500
Die 500 führenden grenzüberschreitenden Anbieter für Mode, Beauty und Luxus erwirtschafteten 2025 einen gesamten Online-Umsatz von 120 Milliarden Euro. Davon entfielen 79 Milliarden Euro auf grenzüberschreitenden Handel – ein Anteil von rund 66 Prozent am Gesamtumsatz der gelisteten Unternehmen.
Der gesamte Einzelhandelsmarkt für Mode, Beauty und Luxus in der EU, im Vereinigten Königreich, in der Schweiz und in Norwegen erreichte 2025 einen Umsatz von 635 Milliarden Euro, Online- und Offline-Handel zusammengenommen.
Der Online-Anteil belief sich auf etwa 185 Milliarden Euro. Damit repräsentieren die Top 500 rund 65 Prozent des gesamten Online-Marktes in diesem Segment.
Mode, Beauty und Luxus bleiben mit einem Anteil von 23 Prozent an allen Online-Produktverkäufen die größte E-Commerce-Kategorie Europas. Die Zahl der für das Ranking berücksichtigten Unternehmen wuchs um 7,5 Prozent, was die anhaltende Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Cross-Border-Marktes belegt.
Prognose 2026: Deutliches Wachstum erwartet
Für 2026 rechnet Cross-Border Commerce Europe mit einem Wachstum des europäischen Online-Marktes für Mode, Beauty und Luxus um 7 Prozent auf rund 198 Milliarden Euro.
Die Top 500 sollen dabei überproportional zulegen und einen Umsatz von 130 Milliarden Euro erreichen, ein Plus von 8 Prozent. Der grenzüberschreitende Anteil daran soll auf 87 Milliarden Euro steigen (+10 Prozent).
Der Umfang der Marktplätze innerhalb der Top 500 wird voraussichtlich um 12 Prozent auf rund 35 Milliarden Euro anwachsen.
Marktplätze erzielten im aktuellen Ranking 31 Milliarden Euro, was einem Anteil von 39 Prozent am grenzüberschreitenden Online-Umsatz der Top 500 entspricht.
Die führenden Akteure im Ranking
Auch C2C-Re-Commerce- und Wiederverkaufsplattformen bauen ihre Marktposition weiter aus. Treiber sind die wachsende Akzeptanz von Second-Hand-Mode, die Nachfrage nach erschwinglichen Angeboten sowie ein zunehmendes Interesse an nachhaltigen und zirkulären Konsummodellen.
Das Ranking erfasst die wichtigsten grenzüberschreitenden Anbieter in 30 europäischen Ländern (EU, Vereinigtes Königreich, Schweiz und Norwegen), die überwiegend nach B2C- und C2C-Modellen agieren.
Zu den zentralen Namen zählen Amazon, Zalando, Temu, Shein, Ssense, Sinsay, eBay, AliExpress, Vinted, Notino, The Ordinary, CeraVe, Oriflame, Douglas, Sephora und E.L.F. Beauty.
In der Kategorie Mode führen laut Ranking Amazon, Temu, Ebay, Etsy, AliExpress, Vinted, Zalando, H&M, Adidas und Shein. Im Beauty-Segment liegen Notino, Douglas, Oriflame, DI, Sephora, Kiko Cosmetics, Weleda, L’Occitane, Garnier und Kérastase an der Spitze.

Beauty übertrifft Mode deutlich
Eine der auffälligsten Entwicklungen im europäischen Online-Handel ist die anhaltend stärkere Performance des Beauty-Segments gegenüber der Modebranche. Der Beauty-Sektor profitiert von wiederkehrenden Käufen, hohem Verbraucherengagement, niedrigeren Retourenquoten und dem Erfolg spezialisierter Anbieter.
Hautpflege, Kosmetik und Wellnessprodukte sprechen digital affine Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin stark an. Beauty-Marken kombinieren zudem Direct-to-Consumer-Ansätze, den Aufbau sozialer Communities und den Vertrieb über Marktplätze, um ihr internationales Wachstum zu beschleunigen.
Die Modebranche hingegen steht unter stärkerem Druck: Verändertes Konsumverhalten, höhere Retourenquoten, Herausforderungen im Bestandsmanagement und verschärfter Wettbewerb über alle Preissegmente hinweg belasten den Sektor.
Starke Marken erleben ein Comeback
Nach Jahren, die von marktplatzgetriebenem Wachstum und intensivem Performance-Marketing geprägt waren, suchen Verbraucher zunehmend Authentizität, Vertrauen und emotionale Bindung zu Marken.
Unternehmen mit klarer Positionierung, unverwechselbarer Identität und treuen Communities gewinnen dadurch wieder an Einfluss. Digital-First-Marken wie Skims, Fenty Beauty und Rare Beauty zeigen exemplarisch, wie Storytelling, Kooperationen mit Creators und community-orientierte Strategien internationale Nachfrage erzeugen können.
Parallel entsteht zwischen günstigen Massenmarktprodukten und klassischem Luxus ein neues, erschwingliches Premiumsegment. Diese Marken sprechen Verbraucher an, die Qualität, Design und wahrgenommenen Mehrwert zu moderaten Preisen suchen – und zwingen etablierte Unternehmen dazu, ihre Positionierung, Preisstrategie und Produktinnovation neu zu bewerten.
Luxusmarkt im Aufwind, Regulierung als Erfolgsfaktor
Nach einer schwierigeren Phase gewinnt der Luxusmarkt wieder an Dynamik. Luxusmarken investieren verstärkt in digitale Erlebnisse und Kundenbindung, ohne dabei Exklusivität, Handwerkskunst und Markentradition aus dem Blick zu verlieren.
Ob die nächste Wachstumsphase gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie gut es Marken gelingt, Zugänglichkeit und Begehrlichkeit auszubalancieren und ihr Prestige in einem zunehmend digitalen Umfeld zu wahren.
Regulierung entwickelt sich zu einem entscheidenden Faktor im grenzüberschreitenden E-Commerce. Nachhaltigkeitsanforderungen, Verpflichtungen zur Produkttransparenz und die fortlaufende Weiterentwicklung europäischer Rechtsvorschriften verändern die Wettbewerbsbedingungen spürbar.
Unternehmen, die frühzeitig in Rückverfolgbarkeit, verantwortungsvolle Beschaffung, zirkuläre Geschäftsmodelle und transparente Kommunikation investieren, können regulatorische Vorgaben in echte Differenzierungsmerkmale und gesteigertes Verbrauchervertrauen umwandeln.
Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: IgorVetushko, de.depositphotos.com
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