Das Frühjahr steht vor der Tür, die klassische Fahrradsaison beginnt. Die Vorzeichen stehen gut, dass sich der Fahrradmarkt auch im zweiten Corona-Jahr einer hohen Nachfrage erfreuen wird.

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„Um die Freizeit und den Urlaub im Land zu verbringen, bietet sich das Fahrrad an. Auch für das Pendeln ist es in der Pandemiezeit eine Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Entwicklung sehen wir in steigenden Verkaufszahlen“, blickt Dr. Thomas Leicht, Bereichsleiter E‑Bike bei Brose, optimistisch ins Jahr.

Wer sich spontan ein neues Fahrrad oder E‑Bike kaufen möchte, kann aber schnell enttäuscht werden: Das Wunschrad ist oftmals weder im Handel noch online erhältlich, Lieferzeiten bis zu sechs Monate keine Seltenheit.

Rad fahren boomt – und zwar weltweit. Das bringt die Produktionsbetriebe an ihre Grenzen, denn wie ein Auto besteht auch ein Fahrrad aus unterschiedlichen Komponenten verschiedener Zulieferer. Viele Teile werden weltweit nur von wenigen Herstellern produziert.

Durch die gestiegene Nachfrage können die Betriebe manche Bestellungen nicht mehr zeitnah abarbeiten. Auf manche Komponenten gibt es mittlerweile Wartezeiten von rund einem Jahr, auch weil Rohstoffe fehlen, erläutert der Pressedienst Fahrrad (pd-f).

Doch Komponenten wie Sattel, Bremsscheiben und Schaltung sind elementar für den Fahrbetrieb. Ohne sie läuft nichts. Branchenintern kommt hinzu, dass Themen wie Planung und Forecasting im Fahrradbereich lange Jahre nicht salonfähig waren. Die Firmen lebten von einer Saison zur nächsten.

Diese Einstellung scheint sich jetzt mehr und mehr zu ändern. „Wir haben aus dem letzten Jahr unheimlich viel gelernt und sind viel früher in Planung und Produktion gegangen. Die Warenverfügbarkeit ist das A und O. Dennoch gibt es Fragezeichen, wie es weitergeht“, bestätigt Markus Krill, Geschäftsführer beim Anhängerspezialisten Croozer.

„Wir beschäftigen uns schon heute teilweise mit der Planung für 2023. Das ist eigentlich absurd“, pflichtet Dennis Schömburg bei. Er ist Geschäftsführer des Markenimporteurs Messingschlager, der Fahrradteile von Zulieferern aus der ganzen Welt in Europa anbietet.

Rad fahren boomt – und zwar weltweit
Rad fahren boomt – und zwar weltweit

Bereits seit längerem wird in der Branche zusätzlich daran gearbeitet, den „klassischen“ Saisonrhythmus zu entzerren und den Kauf von Neuheiten ganzjährig zu ermöglichen. So präsentieren einige Hersteller wie etwa Cannondale ihre neuen Räder im Laufe des Jahres – und nicht mehr ausschließlich im Frühjahr oder Herbst.

Ein Großteil der Teile und Rahmen wird in Asien gefertigt. Die Transportkette nach Europa ist seit dem vergangenen Frühjahr stark belastet und der Warenverkehr immer noch eingeschränkt. Die Fahrradbranche ist hier nur eine von vielen, die ihre Produkte aus Asien bezieht und mit längeren Lieferzeiten zu kämpfen hat.

Seit November sollen sich bereits die Logistiker in den Häfen um die wenigen freien Containerplätze auf den Schiffen streiten. Oftmals wird zugesagte Ware gar nicht ausgeliefert – oder nur zu gestiegenen Transportkosten.

„Unser Logistiker hat am Tag der Lieferung gesagt: Eure Ware ist leider im Hafen liegen geblieben, da wir nicht genug Container haben. Wenn sie im nächsten Monat mitgehen soll, kostet es das 3,5-Fache, wenn ihr sie sicher wollt, das Vierfache“, berichtet Alexander Kraft, Pressesprecher beim Liegeradhersteller HP Velotechnik, an einem konkreten Beispiel die angespannte Lage.

Die Fahrradhersteller suchen deshalb andere Lösungen. „Um lieferfähig zu bleiben, schauen wir nach Ersatzkomponenten, wenn wir Teile nicht bekommen“, berichtet Michaela Fiege, Einkaufsleiterin beim Kinderradspezialisten Puky.

Das hat zur Folge, dass sich die Ausstattung des Wunschrades kurzfristig ändern kann, weil andere Komponenten montiert werden als im bereits Monate vorher gedruckten Katalog angegeben. Die Kataloge werden Monate voraus gedruckt und können nicht der aktuellen Lage angepasst werden.

Außerdem werden die Ersatzkomponenten meist in Europa gefertigt und sind deshalb hochpreisiger, was sich wiederum im Preis niederschlägt.

Zwar versuchen die Hersteller aktuell die Preisentwicklung noch abzufedern, aber im Endeffekt wird damit gerechnet, dass während der Saison die Preise für Fahrräder und E‑Bikes steigen könnten, berichtet der Pressedienst Fahrrad.

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Shots Magazin / © Fotos: Murillo de Paula (1), Abigail Keenan (1), Unsplash / Quelle: ampnet, jri