Auf dem Foto oben: Autor Mario-Roman Lambrecht mit dem VW ID. Polo.
Der Volkswagen ID. Polo soll Elektromobilität endlich bezahlbar machen. Ein Anspruch, an dem sich Volkswagen in den nächsten Jahren messen lassen muss. Denn genau hier lag bislang das größte Problem der Elektrowende: viel Technik, aber oft zu teuer.
Optisch macht der ID. Polo erst einmal wenig falsch. Klare Linien, ein freundliches Gesicht und genug Retro-Zitate, um bestehende Polo-Fans nicht komplett zu verlieren.

Deutlich erwachsener
Gleichzeitig wirkt der Wagen deutlich erwachsener als ein klassischer Kleinwagen. Fast schon ein kleiner Golf, nur eben elektrisch.
Im Innenraum zeigt sich dann ein fast schon überraschender Richtungswechsel. Volkswagen geht zurück zu echten Tasten. Man möchte fast sagen: endlich. Nach den letzten Jahren, in denen man sich durch Touchflächen kämpfen musste, wirkt das wie eine späte Einsicht.
Ein 13-Zoll-Touchscreen ist nach wie vor vorhanden, aber die Mischung aus digital und analog funktioniert hier deutlich besser.

Retro-Anzeige
Die Retro-Anzeige im Cockpit ist ein nettes Detail, das zeigt, dass man verstanden hat, wie wichtig Emotion auch im Elektrozeitalter bleibt.
Beim Platzangebot spielt der 4.053 Millimeter lange VW ID. Polo seine Plattform aus. 441 Liter Kofferraum sind in dieser Klasse eine Ansage. Der Frunk bleibt weiterhin ein Fremdwort bei Volkswagen, dafür wird der vorhandene Raum effizient genutzt.
Mit umgeklappter Rückbank sind sogar bis zu 1.125 Liter drin. Im Fond gibt es dank des Radstandes von 2.600 mm spürbar mehr Beinfreiheit, was man so in diesem Segment nicht zwingend erwartet. Ganz ohne Kompromisse geht es aber nicht.

Zwei Batterien
Durch die Batterie im Fahrzeugboden und die leicht abfallende Dachlinie wird es bei der Kopffreiheit ab etwa 1,80 Meter dann doch enger. Technisch bleibt Volkswagen konservativ.
Frontantrieb, drei Leistungsstufen von 116 PS (85 kW), 135 PS (99 kW) bis zu 211 PS (155 kW), später ein GTI mit 226 PS (166 kW). Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 160 km/h begrenzt.
Bei den Batterien gibt es zwei Varianten mit 37 kWh und 52 kWh netto. Die Reichweite liegt laut WLTP bei bis zu 455 Kilometern. Ein Wert, der wie immer gut klingt, im Alltag aber erst einmal bewiesen werden muss. Realistisch dürften eher um die 300 Kilometer sein, je nach Fahrprofil.

Laden langsamer
Beim Laden zeigt sich dann das eigentliche Problem. Bis zu 105 kW sind möglich, 10 auf 80 Prozent dauern rund 24 bis 27 Minuten. Das ist okay, aber im Jahr 2026 eben auch nicht mehr die Benchmark. Andere Hersteller sind hier längst weiter. Der Hyundai Ioniq 3 kratzt beispielsweise an deutlich höheren Ladeleistungen und Reichweiten.
Volkswagen liefert hier solide Kost, aber keinen echten Fortschritt. Dafür gibt es Vehicle-to-load serienmäßig und eine Anhängelast von bis zu 1,2 Tonnen. Preislich startet der ID. Polo bei 24.995 Euro. Damit kratzt er an der Grenze zur bezahlbaren Elektromobilität.
Mit Förderung könnte der Einstieg sogar unter 20.000 Euro rutschen. Entscheidend wird aber wie immer das Leasing. Und genau hier wird Volkswagen liefern müssen. Interessant ist auch die klare Positionierung. Europa für Europa.

Elektro-Kleinwagen
Während Märkte wie Brasilien außen vor bleiben, konzentriert sich Volkswagen auf die klassischen Kernländer. Der Verbrenner-Polo bleibt parallel bestehen. Wie lange noch, wird sich spätestens mit Euro 7 zeigen.
Schlussendlich ist der VW ID. Polo genau das, was man erwartet hat. Kein Gamechanger. Kein Revolutionär. Aber vielleicht genau das Auto, das viele brauchen. Vernünftig, solide und ohne große Experimente.
Ob das reicht, entscheidet am Ende nicht die Technik, sondern der Preis. Und das europäische Publikum. Wir sind noch nicht ganz so weit.
Die Redaktionsgarage wird demnächst wieder einen klassischen Polo GTI beherbergen – made in Südafrika. Wir bleiben verrückte Petrolheads. Solange es geht…
Sierks Media / Shots Magazin / Fotos: MarioRoman Pictures
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