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Ich habe vier Jahre lang einen Polo GTI (2021) im Leasing gefahren. Warum ich glaube, dass das hier das letzte Original war – mit ungeschönten Alltagsfotos.
Manchmal merkt man erst beim Abschied, wie besonders etwas wirklich war. Vier Jahre mit rund 50.000 Kilometern und ich kann ohne Übertreibung sagen: Dieser Polo GTI war eines der besten Autos, die ich je im Alltag gefahren habe.
Nicht objektiv auf dem Papier, sondern subjektiv dort, wo es zählt: im Bauch, im Kopf, im rechten Fuß, beim Einsteigen, beim Rollen und im Alltag.
Kleinwagen? Vergiss es.
Der Polo war nie der Rebell im VW-Programm. Er war der Vernünftige, der eher Solide. Der, den man kaufte, wenn man nichts falsch machen wollte.
Und dann stand da plötzlich dieser Polo GTI, mit 207 PS, DSG und einem 2,0-Liter-Motor, der eigentlich viel zu groß wirkt für so ein kompaktes Auto. Und genau darin lag der Zauber.
Schon nach den ersten Stunden in dem Auto wird klar: Das hier ist kein sportlich angehauchter Kleinwagen. Das ist ein richtig schnelles Auto in einer Karosse, die mit ehemaliger Golf-Größe kommt.

Spielerisch leicht, ja!
Der Polo GTI fühlt sich leicht, agil und fast spielerisch an. Er reagiert sofort, hängt brutal sauber am Gas und wenn man ihm die Sporen gibt, wirkt es, als würde er förmlich nach vorne fliegen.
0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden klingt nüchtern, fühlt sich aber deutlich schneller an, weil man so tief und so nah am Geschehen sitzt.
Gerade auf der Landstraße ist er eine Wucht. Einlenken, Sport-Modus, Gas, DSG und nächster Gang – zack, geht es leicht weiter. Es gibt keine Trägheit, kein Nachdenken und auch kein Zerren.

Autobahn: unerwartet erwachsen
Der Kleine liegt super-satt mit seinem serienmäßigen Fahrwerk, bleibt neutral und macht genau das, was ich ihm sage. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist ein Auto, das mit mir fährt, nicht gegen mich.
Was viele unterschätzen: Der Polo GTI kann Autobahn. Und zwar richtig. Bei 180 km/h liegt er ruhig, bei 200 bleibt er gelassen und selbst jenseits davon wirkt nichts angestrengt. Offiziell 242 km/h, laut Tacho ging es sogar bis 260 km/h.
Und man merkt, dass das nicht schöngerechnet ist. Der Motor zieht sauber durch, das DSG schaltet unauffällig und man ist sehr schnell unterwegs, ohne dass es sich dramatisch anfühlt.

Zwei Gesichter, ein Charakter
Im Sport-Modus ist der Polo wach, direkt und fast frech. Zwischenspurts? Kein Thema. Überholen? Kurzer Gedanke, dann passiert es einfach.
Im Eco-Modus dagegen wird aus dem kleinen unauffälligen Biest ein überraschend effizienter Tiefflieger. Unter fünf Liter an Verbrauch sind realistisch, wenn man es darauf anlegt – und das bei 207 turbogestützten PS.
Diese Bandbreite habe ich geliebt. Er konnte alles, wollte mich aber nie irgendwie beeindrucken.

Innen: GTI-DNA, sonst nichts
Innen drin ist es genau so, wie ich es mag: pur, funktional und GTI-Style. Die originalen GTI-Sitze mit ihrem klassischen Muster, das griffige GTI-Lenkrad ohne massiv viele Knöpfe und eine Sitzposition, die jedem sofort passt.
Es gibt keinen Touch-Overkill und keine Menü-Odyssee. Ja, VW wollte auch hier Features on Demand verkaufen.
Aber ganz ehrlich: Android Auto oder Apple CarPlay rein – fertig. Das gegen Aufpreis zu buchende Navi braucht kein Mensch. Alles, was ich unterwegs benötige, habe ich ohnehin auf dem Smartphone dabei.

Piepen, Erziehung und Drama
Was ich heute am meisten schätze, habe ich damals fast als selbstverständlich genommen: Der Polo GTI lässt mich in Ruhe.
Kein ISA! Kein Dauerpiepen! Keine Bevormundung! Keine Eingriffe ins Lenkgeschehen! Keine Überwachung! Er vertraut mir und ich ihm. Und dieses Vertrauen zahlt man als Fahrer zurück.
Vier Jahre, zwei Inspektionen (eine kleine, eine große), keine Mängel und null auftretende Extrakosten. Außer selbst gewählten Ganzjahresreifen, damit der nervige Radwechsel entfällt.
Es war so unspektakulär, dass es fast schon spektakulär ist. Der Polo GTI war Dienstwagen, Reiseauto, Vernunftsentscheidung und emotionales Spaßgerät zugleich – und er hat alles klaglos mitgemacht.

Das letzte Original
Ja, OPF (Ottopartikelfilter) und damit leise. Das bedeutet null Krawall und null Gebrüll. Aber dieses leichte, angenehme Röhren, gerade im Sport-Modus ist genau genug, um zu wissen, dass da vorne etwas Kleines sowie Ernstzunehmendes mit Druck arbeitet.
Sogar die Autoposer-Sondertruppe der Polizei Hamburg hat mich deswegen in Ruhe gelassen. Und wenn noch mehr Leute gewusst hätten, wie gut dieser Polo GTI eigentlich wirklich ist, wäre er durchgehend als die Nummer eins der Verkaufscharts platziert.
Schnell, effizient, ehrlich, unaufgeregt und mit GTI-Emotionen – und frei von all dem Ballast, der heute zur Serienausstattung gehört.
Ich glaube wirklich: Das hier war der letzte echte sowie ehrliche GTI im Kleinwagenformat. Einfach nur ein geiles sowie unkompliziertes Auto… Danke für die vier Jahre an das letzte Original!
Sierks Media / © Fotos: Sierks Media





