Wenn Sie noch nie etwas von den Uhrenherstellern Frederique Constant und Patek Philippe gehört haben, habe ich eine Herausforderung für Sie.

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Falls doch, machen Sie trotzdem mit. Diese beiden Uhren – beide aus Roségold, beide mit Stunden-, Minuten-, Sekunden- und Datumsanzeige – unterscheiden sich preislich um den Faktor zwanzig zu eins.

Könnten Sie erkennen, welche welche ist? Eine 20.000,- Euro teure Uhr sieht man nicht jeden Tag, schon gar nicht eine, die nicht vor Komplikationen strotzt.

Rund 1.000,- Euro scheinen dagegen eine angemessenere Größenordnung für eine Uhr zu sein, die von kleinen Federn und nicht von Funken angetrieben wird, die die Minuten mit Zähnen auf Zahnrädern statt mit Bits auf Chips zählt.

Es sind Uhren der alten Schule, aber der Unterschied zwischen den beiden ist erklärungsbedürftig.

Autor Hessel Ruijgh, Uhren-Enthusiast und Country Manager Germany bei Watchfinder & Co., erklärt es uns.

Ein Zahlenspiel

Wenn Sie das Spiel nur nach Zahlen spielen, würden Sie mit der Tatsache beginnen, dass es hier eine beträchtliche Menge Gold zu sehen gibt. Wie wir alle von Piraten und ihrer Gier nach Schätzen wissen, ist Gold selten, begehrenswert und teuer – und deshalb ist die günstigere der beiden Uhren nicht ganz so ehrlich in ihrem Auftreten.

Während die 20.000,- Euro Uhr ein wahres Goldherz hat, besteht die 1.000,- Euro Uhr nur dort aus Gold, wo man es sehen kann, nämlich außen: Sie ist vergoldet.

Wenn man bedenkt, dass eine Uhr aus massivem Gold etwa zweihundert Gramm wiegt und dass Gold derzeit etwa 50,- Euro pro Gramm kostet, kann man verstehen, warum die 1.000,- Euro Uhr nicht wirklich aus diesem Material bestehen kann.

Aber auch mit dem Aufpreis für Vollgold sind wir noch lange nicht bei 20.000,- Euro, selbst wenn man die Gewinnspannen der Hersteller berücksichtigt.

Liegt der Preisunterschied also vielleicht nicht nur am Gold, sondern auch an der Komplexität? Wenn man bedenkt, dass die Uhren genau die gleiche Aufgabe erfüllen, nämlich die Anzeige von Zeit und Datum, ist das eigentlich nicht der Fall.

Während das Zentraldatum der Patek Philippe etwas komplexer in der Herstellung ist, als das Datumsfenster der Frederique Constant, ist die Zentralsekunde der Frederique Constant tatsächlich sogar schwieriger zu realisieren, als die kleine Sekunde der Patek Philippe.

Also sind wir damit noch nicht wirklich weitergekommen. Man sagt bei einem Supersportwagen, dass die Kosten nur im Motor stecken, und dasselbe gilt für die Super-Uhrmacherei.

Und damit meine ich nicht die Genauigkeit der Zeitanzeige. Machen wir uns nichts vor: Diese jahrhundertealte Zeitmessungs-Technologie kann nicht annähernd so exakt sein, wie die von heute. Nein, ich spreche von der Raffinesse der Herstellung.

Transparentes Innenleben

Es ist ziemlich aufschlussreich, dass die Frederique Constant einen massiven Gehäuseboden hat. Sie können also nicht sehen, was da drinnen vor sich geht, und das liegt wahrscheinlich daran, dass Sie es nicht wirklich sehen sollen.

Autor Hessel Ruijgh
Autor Hessel Ruijgh

Ihr Uhrwerk ist als FC-303-Automatik betitelt, aber wie beim Goldgehäuse ist auch dies ein kleiner Trick: Das FC-303 ist nämlich auch als Sellita SW200 bekannt, ein Schweizer Uhrwerk, das nicht von Frederique Constant gebaut wurde.

Wenn Sie eine erschwingliche mechanische Uhr wollen, ist es ein fantastisches Uhrwerk. Es ist robust, zuverlässig und vernünftig zu bedienen, aber es ist nicht gerade ein Supersportwagen, um der Metapher treu zu bleiben – eher ein gut motorisierter Serienwagen. Die Patek Philippe, auf der anderen Seite…

Bei der Patek Philippe sehen wir sofort, dass das Uhrwerk zur Schau gestellt wird. Es ist ein Automatikwerk, genau wie das von Frederique Constant. Die Feder, die die Uhr antreibt, wird mit einem Gewicht aufgezogen, das sich bewegt, sobald Sie Ihr Handgelenk bewegen und muss daher nicht jeden Tag von Hand aufgezogen werden.

Aber es ist aus zwei sehr guten Gründen ganz anders angeordnet: Erstens, um das Uhrwerk schlanker zu machen, und zweitens, was genauso wichtig ist, damit Sie all die feinen Bestandteile des Werks sehen können.

Normalerweise wird dieses rotierende Gewicht als eine weitere Schicht über das gesamte Uhrwerk gelegt, wodurch die schönsten Dinge verdeckt werden. Nicht so beim Kaliber 240 PS C, das den Rotor aus dem Weg räumt, so dass nichts aus dem Blickfeld gerät.

Und was für eine Ansicht sich bietet! Das ist Uhrmacherkunst vom Feinsten, nicht nur aus mechanischer, sondern auch aus ästhetischer Sicht.

Das i-Tüpfelchen der Handwerkskunst

Die Veredelung oder Dekoration von Uhrwerken hat sich aus der Notwendigkeit heraus entwickelt, um die feinen Leistungstoleranzen zu erhöhen, unter denen diese empfindlichen Maschinen zuverlässig arbeiten.

Seither ist die visuelle Darstellung zum Markenzeichen der allerbesten Uhrmacher geworden, die das schiere Maß an Geschicklichkeit und Mühe demonstriert, das in die Herstellung geflossen ist.

Die abgeschrägten Kanten, zum Beispiel, wurden ursprünglich ausgeführt, um zu verhindern, dass scharfe Ecken abbrechen und in die beweglichen Teile fallen.

In der feinen Uhrmacherkunst werden sie heute noch genauso wie damals bearbeitet, von Hand abgefeilt und dann mit einer Schleifpaste am Ende eines Stöckchens auf Hochglanz poliert. Das dauert sehr, sehr lange.

Ähnlich verhält es sich mit der Maserung, die sowohl in Form von feinen Streifen auf der Oberseite des Uhrwerks als auch in Form eines sich wiederholenden kreisförmigen Musters auf der Unterseite ausgeführt ist.

Diese wurden ursprünglich entworfen, um die feinen Metallfragmente aufzufangen, die um das Uhrwerk herum lauern könnten, und werden heute wieder wie damals von Hand und einzeln angebracht.

Ob Sie es nun sehen oder nicht, jedes Teil hier ist bis zur Perfektion genarbt, abgeschrägt und poliert, jedes noch so kleine Stückchen. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie viel Arbeit das ist.

Ob Sie glauben, dass all das einen Unterschied von 19.000,- Euro rechtfertigt, bleibt Ihnen überlassen. Ich denke, zumindest der Unterschied zwischen den beiden Uhren sollte sonnenklar sein.

Es ist der Unterschied zwischen dem Wunsch, ein gutes, solides Stück mechanischer Uhrmacherkunst zu genießen und dem Besten, was sie zu bieten hat. Beide sind gut, beide haben ihren Platz, beide können gleichermaßen Freude machen.

Wenn Sie jedoch das Allerbeste wollen, kennen Sie jetzt den Preis, den Sie dafür zahlen müssen…

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Shots Magazin / Autor: Hessel Ruijgh / © Fotos: Watchfinder

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