Kürzlich traf ich in Berlin über Bekannte eine junge Kunsthistorikerin, die mit ihrer Galerie namens Anna25 für Furore in der Kunstszene sorgt. Das Besondere an Anna Franek ist, dass sie nicht den üblichen Weg einschlug, um Inhaberin einer solchen Kunstgalerie zu sein.

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Ihr Werdegang ist sehr direkt, eher unüblich und deswegen eine Bewunderung wert: Denn nach zahlreichen Praktika in Museen und Galerien, noch während des Studiums, eröffnete sie mit 25 Jahren (!) ihre eigene Galerie in Berlin-Kreuzberg.

So eine Geschichte ist etwas ganz Besonderes. Und hier ist mein Interview mit Anna Franek über ihre Galerie, das Coronavirus und alles, was die Unternehmerin aktuell bewegt.
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Wenn Du einmal zurückblickst: War der Start mit einer eigenen Galerie sehr riskant?

Ich habe mit 25 Jahren angefangen, als ich in den Endzügen meines Kunstgeschichtestudiums war. Der Abschluss hat sich dank der Galeriearbeit um ein Jahr verlängert. Ich hatte einige Nebenjobs und nichts zu verlieren.

Ich bin mit der Einstellung an das Projekt gegangen, entweder klappt es oder halt nicht. Wenn nicht, dann habe ich wenigstens Erfahrungen gesammelt, die mich später sicher weiterbringen werden, oder es klappt halt. Zum Glück hat es geklappt!

Was waren für Dich persönlich in der Vergangenheit die besten Highlights, die Du bei Anna25 zeigen konntest?

Da gibt es natürlich viele! Zum einen finde ich die Installationen von Pham Thai Ho immer sehr spannend. Bei seiner letzten Einzelschau 2020 hatte er eine weibliche und männliche Gummipuppe mit Klebetattoos „tätowiert“. Die Motive waren verschiedene Kunst historische Adam- und Eva-Abbildungen.

KejooPark - Wanderer, Galerie Anna25
KejooPark – Wanderer, Galerie Anna25

Darüber hatte er in neonpink leuchtender Schrift „Only God can judge me“, auch den Titel der Ausstellung geschrieben. In diesem Werk kommen viele Themen zusammen, wie Sexualität, Religion, Tattoos und Gesellschaft.

Weiteres Highlight sind natürlich meine Anna25-Projekt-Ausstellungen, mit denen ich angefangen habe. Ich habe für nur 25 Stunden irgendwo eine Ausstellung organisiert – darunter waren ein Gewölbekeller und eine Bank, die gerade im Umbau waren und natürlich meine Wohnung.

Es ist toll, Kunstwerke in einem anderen Kontext auszustellen und zu betrachten. Ich hoffe, 2021 und 2022 mit den Projektausstellungen wieder anfangen zu können, da es spannend ist, aus der Komfortzone gebracht zu werden.

Was sagst Du als Galeristin und Kunstexpertin zum aktuellen Stand der Corona-Pandemie?

Wirtschaftlich ist es im Moment sehr zwiespältig. Es kommt darauf an, wie etabliert eine Galerie bzw. ein Künstler sind. Galerien oder Künstler mit einem festen Sammlerstamm merken von der Pandemie und deren  Einschränkungen nicht viel.

Teilweise kommen sogar mehr Verkäufe zustande, da Sammler und Käufer auf ihren Urlaub verzichten müssen – und die meiste Zeit in ihren vier Wänden verbringen und dadurch angeregter sind, Kunst zu kaufen.

 

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Was jedoch Newcomer oder nicht etablierte Künstler und Galerien angeht, die haben es schwer, da die Branche sehr auf dem Zwischenmenschlichen aufbaut und natürlich fehlt dies im Moment. Wie ich mitbekommen habe, kommen die Hilfen auch nicht an.

Kulturell gesehen, vor allem die Schließungen der Museen, kann ich es nicht nachvollziehen. Vor allem in Museen können die erforderlichen Hygienebestimmungen eingehalten werden, abgesehen natürlich von den ganzen sozialen und geistigen Vorteilen, die das Museum bringt.

Wie gut werden digitale Events im Kunstbereich angenommen?

Generell werden Sie positiv aufgenommen. Was toll an den digitalen Angeboten ist, dass es sich nicht nur auf ein Event beschränkt, sondern den Besucherinnen und Besuchern viele Möglichkeiten gibt, an der Kunst teilzunehmen.

Ich selbst biete online Führungen an, die von vielen gerne genutzt werden. Dieses Angbeot werde ich auch nach Corona beibehalten, da es Menschen außerhalb Berlins die Möglichkeit gibt, die Ausstellungen zu sehen.

Natürlich mache ich auch Livestreams durch die Ausstellungen auf meinen Social-Media-Kanälen oder auch Interviews mit Künstlern. Ich bin flexibel und gucke, was für ein Onlineangebot dazu passen könnte.

KejooPark - Wanderer, Galerie Anna25
KejooPark – Wanderer, Galerie Anna25

Natürlich schaue ich auch, was Kollegen aus der Branche so treiben. Zum Beispiel hat die Berlinerische Galerie zu ihrer aktuellen Ausstellung „Anything Goes“ drei verschiedene Spaziergänge herausgebracht, mit Audiotour zu den passenden Gebäuden.

Es ist eine tolle Art und Weise, mit den Medien zu experimentieren. Noch dazu gibt es im digitalen Raum neue Dinge wie Podcasts, 3D-Touren, und Blogposts zu finden. Es ist für jeden etwas dabei!

In die Zukunft geblickt: Was wäre Dein absoluter Traum für Deine Galerie?

Mein absoluter Traum ist es, Kunstgeschichte mit meiner Galerie und den Künstler*innen zu schreiben.
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Die Ausstellungen der Galerie Anna25 in Berlin finden Interessierte online sowie aktuell unter anna25.de/ausstellungen.

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Shots Magazin / © Fotos: Galerie Anna25

Rubriken: Events Ladies