Wer übernimmt den Betrieb, wenn der Inhaber in den Ruhestand gehen möchte? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Handwerksunternehmen.


Während zahlreiche Betriebe händeringend nach einer Nachfolgelösung suchen, zeigt ein Beispiel aus der Oberpfalz, dass eine Betriebsübergabe auch außerhalb der Familie gelingen kann – wenn Vertrauen, gegenseitiger Respekt und die persönliche Chemie stimmen.

Lange Nachfolgersuche

Josef Schauer aus Neunburg vorm Wald hatte lange nach einem geeigneten Nachfolger gesucht. Über die Betriebsbörse der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gab es zwar zahlreiche Interessenten, doch entweder fehlten die nötigen Qualifikationen oder die Vorstellungen über die Zukunft des Unternehmens gingen auseinander.

Für den Gas- und Wasserinstallateurmeister stand fest: Er wollte sein Lebenswerk in gute Hände übergeben und sich nach vielen Jahren im Handwerk aus dem Berufsleben zurückziehen.

Die Wende brachte schließlich die Begegnung mit Marcel Anzenberger aus Miltach. Der Anlagenmechanikermeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik suchte selbst nach einer unternehmerischen Perspektive.

Wir ticken gleich

Statt einen Betrieb neu aufzubauen, wollte er ein bestehendes Unternehmen weiterentwickeln. Über die Betriebsbörse der Handwerkskammer wurde er auf den Betrieb aufmerksam.

Aus einem ersten Kennenlernen entwickelte sich schnell ein mehrstündiges Gespräch – und beiden wurde klar, dass sie ähnliche Vorstellungen von Unternehmertum, Kundenorientierung und Mitarbeiterführung teilen.

„Von Tag eins war bei mir und Josef klar: Wir ticken gleich!“, sagt Marcel Anzenberger. Heute führt Anzenberger das Unternehmen als Anzenberger Gebäudetechnik GmbH weiter. Mitarbeiter, Kunden und laufende Aufträge konnten übernommen werden.

Josef Schauer und Marcel Anzenberger
Josef Schauer und Marcel Anzenberger

Frage der Ehre

Für Josef Schauer war dabei besonders wichtig, dass die über Jahrzehnte aufgebauten Kundenbeziehungen zuverlässig fortgeführt werden: „Ich kenne diese Leute alle persönlich. Es war auch eine Frage der Ehre, sicherzustellen, dass da alles sauber und verlässlich weiterläuft, allein schon in Bezug auf die Gewährleistung.“

Auch nach der offiziellen Übergabe arbeiten beide weiterhin eng zusammen. Schauer unterstützt seinen Nachfolger im Büro und im Kundenkontakt. Davon profitieren beide Seiten.

Der erfahrene Unternehmer kann sein Wissen weitergeben, während Anzenberger auf die jahrzehntelange Erfahrung seines Vorgängers zurückgreifen kann. Gleichzeitig gelingt der Übergang für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner nahezu nahtlos.

Erfolg der Übergabe

Dass eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge weit mehr ist als ein Kaufvertrag, bestätigt Andreas Keller, Bereichsleiter Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Für ihn entscheidet häufig nicht allein die fachliche Qualifikation über den Erfolg einer Übergabe, sondern vor allem das persönliche Miteinander.

„Wenn es menschlich nicht passt, kann es nicht klappen. Gerade die gute Zusammenarbeit zwischen Übergeber und Übernehmer vor und nach der eigentlichen Übergabe ist essenziell, damit eine Betriebsübernahme gut klappt. Das sehen wir in der Betriebsberatung immer wieder. Josef Schauer und Marcel Anzenberger sind dafür ein Paradebeispiel.“

Bürokratischer Aufwand

Für Josef Schauer beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt – mit mehr Zeit für Familie und Privatleben. Gleichzeitig blickt er mit Sorge auf die Rahmenbedingungen für viele Selbstständige. Der hohe bürokratische Aufwand sei einer der Gründe gewesen, warum er sich zum Aufhören entschlossen habe.

Seinem Nachfolger gibt er deshalb nicht nur fachliche Ratschläge mit auf den Weg, sondern auch einen persönlichen: Beruflicher Erfolg und Zeit für Familie sollten dauerhaft miteinander vereinbar bleiben.

Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: AndrewLozovyi, de.depositphotos.com (1), obx-news, HWK, Bockholt (1) / Quelle: obx-news

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