Man sieht sie immer öfter, ganz besonders vor Schulen: Microcars sind sehr kleine, leichte Fahrzeuge, die äußerlich wie Mini-Autos aussehen, rechtlich in Deutschland aber meist als vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge gelten.


Typischerweise fahren sie höchstens 45 km/h, haben maximal 6 kW beziehungsweise etwa 8 PS und dürfen mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden.

Was sind Microcars?

Microcars werden auch Mopedautos, Minicars, Leichtmobile oder 45-km/h-Autos genannt. Typische Merkmale sind ein oder zwei Sitzplätze, sehr geringe Abmessungen und niedrige Fahrzeugmasse sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.

Sie verfügen wahlweise über einen Verbrennungs- oder Elektromotor und werden über ein Versicherungskennzeichen zugelassen. In Deutschland reicht dafür die Fahrerlaubnis der Klasse AM, die grundsätzlich bereits ab 15 Jahren erworben werden kann. Eine Nutzung auf Autobahnen und in der Regel auch auf Kraftfahrstraßen ist nicht erlaubt.

Damit liegen Microcars zwischen Moped und Pkw: Man sitzt zwar in einer geschlossenen Kabine und ist vor Regen, Kälte und teilweise auch vor Stürzen geschützt, hat aber nicht das Sicherheits- und Komfortniveau eines normalen Autos.

Vorteile von Microcars

Mobilität für Jugendliche

Ein wesentlicher Vorteil ist der frühe Zugang zur individuellen Mobilität. Mit der Fahrerlaubnis AM können Jugendliche ab 15 Jahren ein entsprechendes Fahrzeug fahren. Das kann besonders in ländlichen Regionen relevant sein, wenn Busverbindungen fehlen oder Ausbildungs- und Arbeitsplätze weiter entfernt liegen.

Mehr Wetterschutz als ein Roller

Die geschlossene Karosserie schützt besser vor Regen, Wind und Kälte als ein Zweirad. Sicherheitsgurt und Fahrgastzelle bieten außerdem einen gewissen Schutz vor dem sogenannten Sekundärcrash, also davor, nach einem Unfall auf die Fahrbahn geschleudert zu werden. Gegenüber Moped- oder Rollerfahrern besteht daher grundsätzlich ein Schutzvorteil.

Geringe Größe und einfache Handhabung

Microcars benötigen wenig Parkraum und sind im Stadtverkehr wendig. Ihre geringe Geschwindigkeit kann in Wohngebieten und auf kurzen innerörtlichen Strecken ausreichen. Elektroversionen verursachen lokal keine Abgase und sind meist besonders leise.

Vergleichsweise einfache laufende Kosten

Viele Modelle benötigen keine klassische Pkw-Zulassung und keine Hauptuntersuchung. Außerdem fallen typischerweise keine Kfz-Steuer und keine üblichen Pkw-Zulassungsgebühren an, vorgeschrieben ist in der Regel lediglich ein Versicherungskennzeichen. Die tatsächlichen Kosten können durch hohe Anschaffungspreise, Versicherung, Wartung und Batteriekosten allerdings deutlich höher ausfallen als bei einem Roller.

Microcars - Mobilität mit klaren Sicherheitsgrenzen
Microcars – Mobilität mit klaren Sicherheitsgrenzen

Risiken und Nachteile von Microcars

Deutlich geringere Crashsicherheit

Das größte Problem ist die passive Sicherheit. Microcars unterliegen nicht denselben gesetzlichen Sicherheitsanforderungen wie Pkw. Crashtests sowie eine Ausstattung mit Airbags, ABS, ESP oder Notbremsassistent sind nicht in vergleichbarer Weise vorgeschrieben. Bei mehreren Tests zeigten sich erhebliche Verformungen der Fahrgastzelle und hohe Belastungen für die Insassen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Unfall tödlich endet. Es bedeutet aber, dass bei einem Zusammenstoß mit einem normalen Pkw, Transporter oder Lkw der Insassenschutz meist erheblich schlechter ist als in einem modernen Auto. Die geringe Masse, die kurze Frontpartie und die fehlende Knautschzone verschärfen die Situation zusätzlich.

Gefährlicher Geschwindigkeitsunterschied

Mit maximal 45 km/h sind Microcars auf Landstraßen besonders problematisch. Nachfolgende Fahrzeuge fahren oft deutlich schneller und erkennen ein langsames Fahrzeug, vor allem bei Dunkelheit, Kurven oder Kuppen, möglicherweise zu spät. Der Geschwindigkeitsunterschied kann dadurch gefährlicher sein als die absolute Geschwindigkeit des Microcars.

Eingeschränkte Streckentauglichkeit

Microcars sind für kurze Wege und den Stadtverkehr gedacht. Ungeeignet oder verboten sind sie unter anderem für Autobahnen, viele Kraftfahrstraßen, längere Fahrten über Land, stark befahrene Schnellstraßen sowie Strecken mit großen Steigungen, je nach Modell. Auch der geringe Stauraum und die meist nur ein oder zwei Sitzplätze begrenzen den praktischen Nutzen.

Fahrdynamische Grenzen

Das geringe Gewicht kann bei Seitenwind, Ausweichmanövern oder schnellen Richtungswechseln zum Nachteil werden. Beladung, Reifen, Fahrbahnnässe und die Qualität des jeweiligen Modells beeinflussen die Stabilität stark. Ein Microcar sollte deshalb nicht wie ein kleiner Pkw gefahren werden.

Kosten und Reparaturen

Microcars wirken klein und einfach, sind aber nicht automatisch günstig. Anschaffungspreise können nahe an denen gebrauchter Kleinwagen liegen. Ersatzteile und Reparaturen sind bei manchen Marken teuer oder nur über ein begrenztes Händlernetz erhältlich. Bei Elektrofahrzeugen kommen Fragen zur Batteriealterung, zur Reichweite im Winter und zu möglichen Austauschkosten hinzu.

Für wen sind Microcars sinnvoll?

Ein Microcar kann sinnvoll sein, wenn regelmäßig kurze Strecken gefahren werden, öffentliche Verkehrsmittel kaum verfügbar sind, Wetterschutz wichtiger ist als hohe Geschwindigkeit, das Fahrzeug überwiegend innerorts eingesetzt wird und der Fahrer die Sicherheitsgrenzen bewusst akzeptiert.

Für häufige Fahrten auf Landstraßen oder im schnell fließenden Verkehr ist ein Pkw trotz höherer Kosten in der Regel die sicherere Wahl. Beim Kauf sollte man insbesondere auf Airbags, ABS, ESP, Sicherheitsgurt, Rückhaltesysteme, Beleuchtung, Reifen, Rückfahrkamera und unabhängige Crashtest-Ergebnisse achten.

Entscheidend ist außerdem, ob das konkrete Modell tatsächlich über die beworbene Sicherheitsausstattung verfügt, denn selbstverständlich ist das bei Microcars keineswegs.

Fazit

Microcars bieten kompakte, wettergeschützte Mobilität und können gerade für Jugendliche oder Menschen in ländlichen Gebieten praktisch sein.

Ihr zentraler Nachteil ist jedoch, dass sie bei einem Unfall deutlich weniger Schutz bieten als ein normaler Pkw und wegen ihrer niedrigen Geschwindigkeit im schnellen Verkehr selbst zum Sicherheitsrisiko werden können…

Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: slavonic777, de.depositphotos.com

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