Abschied von Klaus-Michael Kühne: Hamburgs Logistik-Patriarch stirbt mit 89 Jahren. Der Tod des Kühne+Nagel-Gründers erschüttert Wirtschaft und Fußballwelt.
Klaus-Michael Kühne, Ehrenpräsident und Mehrheitseigner des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, ist in der Nacht zum Montag im Alter von 89 Jahren an seinem Wohnsitz im schweizerischen Schindellegi gestorben.
Das bestätigte das Unternehmen am Montagvormittag. Er starb im Beisein seiner Frau Christine.
Kühne+Nagel würdigte ihn als Visionär und außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit, deren Andenken der Konzern in höchsten Ehren bewahren werde.
Vom Familienbetrieb zum Logistikimperium
Kühne übernahm das Speditionsunternehmen seines Vaters Alfred und seines Großvaters August und baute es über Jahrzehnte zu einem weltumspannenden Air-, Sea- und Ground-Logistikkonzern aus.
Neben Kühne+Nagel hielt er bedeutende Beteiligungen an der Reederei Hapag-Lloyd, an der Lufthansa sowie am Mobilitätsanbieter Flix. Auch der europaweit führende Bahnwaggon-Vermieter VTG gehörte zeitweise zu seinem unternehmerischen Wirkungskreis. Zuletzt zählte er laut „Manager Magazin“ zu den reichsten Männern Deutschlands.
Sein unternehmerisches Erbe reicht dabei weit über die Logistikbranche hinaus: In Hamburg prägte er das Stadtbild unter anderem mit dem Bau des Luxushotels The Fontenay an der Außenalster und engagierte sich über Stiftungen stark für das kulturelle Leben der Hansestadt, etwa mit erheblichen Zuwendungen für die Elbphilharmonie und der Gründung einer Logistik-Hochschule.
Persönliche Begegnung mit bleibendem Eindruck
Wer Kühne persönlich begegnete, beschreibt ihn oft als Kaufmann alter Schule mit klarer Haltung und außergewöhnlicher Präsenz.
Auch als ehemaliger Manager der Lufthansa Technik in Hamburg erinnere ich mich an eine persönliche Begegnung, aus der sich über Jahre ein reger, mitunter ambivalenter E-Mail-Austausch entwickelte.
Kühnes Einschätzungen zu intermodalen Transportkonzepten hätten dabei oft als eine Art von Realitätscheck gedient – etwa auch seine Vision zum Hotelprojekt The Fontenay.
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Kühnes lange Verbundenheit mit dem HSV
Neben seinem wirtschaftlichen Wirken war Kühne über Jahrzehnte als treuer Förderer des Hamburger SV bekannt. Insgesamt soll er mehrere Millionen Euro in den Verein investiert haben und hielt zeitweise große Anteile an der ausgegliederten HSV Fußball AG.
Auch die Namensrechte am Volksparkstadion erwarb er, um dem Stadion seinen traditionellen Namen zurückzugeben. Dass wirtschaftliche Rendite bei diesem Engagement für ihn nie im Vordergrund stand, betonte Kühne selbst wiederholt – öffentlich sprach er sogar von seinem größten finanziellen Fehlinvestment.
Dennoch blieb er dem Klub treu, auch wenn die Anerkennung der Fans ihm gegenüber nicht immer im gleichen Maß erwidert wurde.
Tiefe Trauer in Wirtschaft und Sport
Beim ersten Pokalspiel nach seinem Tod trat der Verein heute mit schwarzem Trauerflor an – eine Geste, die dem Anlass und Kühnes eigenem Stil als Kaufmann alter Schule gerecht wurde.
Sowohl Kühne+Nagel als auch der Hamburger SV würdigten Kühnes Lebenswerk und drückten seiner Familie ihr tiefes Mitgefühl aus.
Mit seinem Tod verliert Hamburg nicht nur einen der einflussreichsten deutschen Wirtschaftslenker, sondern auch einen Mäzen, dessen Wirken die Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat.
Sierks Media / Shots Magazin / © Foto: Wikimedia Commons, Monster4711, CC BY-SA 1.0
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