Volkswagen macht wirklich Ernst mit der Elektrifizierung des GTI – und begeht damit einen der größten Markenfehler seiner jüngeren Geschichte.


Denn was da künftig als VW ID. Polo GTI auf die Straße rollen soll, ist vor allem eines: kein cooler GTI.

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Mythos GTI

Der Mythos begann 1976 mit dem Golf GTI – leicht, roh und direkt. Ein Auto, das nicht nur schnell war, sondern sich schnell anfühlte. Mitarbeiter in Wolfsburg haben Karrieren riskiert und Berge dafür versetzt, dass dieses Auto überhaupt in Serie gehen konnte.

Über Jahrzehnte blieb das GTI-Versprechen dann erstaunlich intakt. Ob Golf, Polo GTI oder später die mittlerweile fast schon kultisch verehrten Puristen-Modelle wie Lupo GTI und Up GTI: Sie alle lebten von genau dem, was moderne Automobile zunehmend verloren haben – die einfache Ehrlichkeit.

Ein GTI war nie ein Datenblatt auf Rädern. Er war Kupplungspunkt, Drehzahlorgie und Auspuffklang. Er war das leichte Zittern im Lenkrad, das spürbare Arbeiten des Motors, das Gefühl, die Maschine wirklich zu beherrschen.

VW Golf 7 GTI - ein echter GTI
VW Golf 7 GTI – ein echter GTI

Elektro GTI

Genau dieses analoge Erlebnis hat den GTI groß gemacht – und ihn von bloßen schnellen Autos unterschieden. Und jetzt? Jetzt soll ein nahezu lautloser, softwaregesteuerter Stromer dieses Erbe fortführen. Der ID. Polo GTI. Er steht sinnbildlich für diese Entwicklung.

Natürlich wird er kurzfristig schnell sein. Aber nicht in der Endgeschwindigkeit. Die ist ein GTI-Witz. Und zwar für fünf Minuten, bis der Akku leer ist. Natürlich wird er kurzfristig effizient sein. Aber nicht beim Wertverlust. Und natürlich wird er exakt so umständlich in der Anwendung sein, wie es alle Elektroautos eben sind.

Er wird genau all das nicht sein, was einen GTI ausmacht. Kein Schalten, kein DSG-Sport-Sound, kein Hochdrehen, kein Klang und kein Widerstand. Stattdessen: lineare Beschleunigung, langweilige Traktion und sterile Präzision. Solange die Software durchhält und solange alles funktioniert in den ersten Jahren eines neuen Elektroautos.

Unechter GTI

Das ist nicht Fortschritt im Sinne des GTI – das ist ein kompletter Bruch. Volkswagen versucht, den Mythos mitzunehmen in eine Zukunft, die mit der eigentlichen DNA ganz wenig zu tun hat.

Denn ein GTI ist kein Logo, das man beliebig auf ein neues Antriebskonzept kleben kann. Er ist ein Erlebnis, das untrennbar mit dem Verbrennungsmotor verbunden ist. Wer das aufgibt, verliert mehr als nur Technik.

Besonders bitter: Gerade die kleineren Ikonen wie Polo GTI, Lupo GTI und Up GTI haben bis zuletzt gezeigt, worum es wirklich geht. Leichtbau, Einfachheit und Fahrspaß ohne Filter. Sie waren der Gegenentwurf zur zunehmenden Digitalisierung des Autofahrens.

VW Golf 7 GTI - ein echter GTI
VW Golf 7 GTI – ein echter GTI

Fazit GTI

Genau diese Philosophie wird jetzt endgültig beerdigt. Der ID. Polo E-GTI ist deshalb nicht die Weiterentwicklung einer Legende – er ist ihr Schlusspunkt. Welcher echte Auto-Enthusiast will jetzt noch einen neuen GTI haben, wenn es ihn auch elektrisch gibt? Es ist null stylish.

Volkswagen hätte die Chance gehabt, der Elektromobilität eine eigene, neue und glaubwürdige Performance-Identität zu geben. Stattdessen wird ein historisch gewachsener Begriff umgedeutet, bis er kaum noch etwas bedeutet. Langweilig und vorhersehbar.

Am Ende bleibt ein Name ohne Inhalt. Der GTI war nie leise. Nie glatt und nie perfekt. Und genau deshalb war er unersetzlich. Die alten, ehrlichen Verbrenner-Modelle werden es durch weitere Wertsteigerungen zeigen…

Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: Vinsi (2), NeydtStock (1), de.depositphotos.com 

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