Es ist mittlerweile gut drei Jahre her, dass ich meinen ehemals faulen Hintern wieder hochbekommen habe – und mit vollem Einsatz Fitness betreibe.

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Seitdem sind gute 30 Kilogramm vom Leib gekullert und ich fühle mich wieder besser denn je. Gesünder denn je. Lebensfroher denn je. Das alles hat einen harten Cut erfahren, als Corona auftauchte. Es zeigt mir, wie gering die Fitnessstudios in Bezug auf Gesundheit geschätzt werden.

Nicht falsch verstehen. Die allgemeinen Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, hielt und halte ich nach wie vor für sinnvoll. Kurios wurde es erst, als das Thema und deren Verantwortung auf die jeweiligen Bundesländer übertragen wurde. Ich zum Beispiel wohne einen Steinwurf von Hamburg entfernt, wo ich das Elixia in der Hansestadt liebgewonnen habe.

Doch während man sich hier in Schleswig-Holstein schon wieder in die Gyms wagen darf, ist es erst ab nächster Woche wieder erlaubt, in Hamburg zu trainieren. Dass sich Elixia-Geschäftsführer Heiko Pfeifer stellvertretend für alle Studios medial einsetzte, war mehr als verständlich – das offensichtliche Desinteresse der Politik aber um so unverständlicher.

Heiko Pfeifer, Elixia Hamburg (marioroman pictures)
Heiko Pfeifer, Elixia Hamburg (marioroman pictures)

Es heißt, dass der Mensch im Schnitt ganze 66 Tage benötigt, um sich an einen Lebensrhythmus zu gewöhnen. Bis also solche Sachen – wie täglich Sport zu treiben – quasi zum Alltag gehören, bedarf es in vielen Fällen (wie auch bei mir) eine Menge an Eigenmotivation, bis dahin durchzuhalten. Irgendwie habe ich mir diese primär mit Laufen – seeeehr viel laufen – erhalten. Und ich hasse stumpfes Laufen. Es ist einfach nichts für mich, doch ich wollte nicht wieder in ein Loch fallen.

Viele andere in meinem Umkreis sind aber schon längst im Faultiermodus gelandet. Das geht schnell, wenn man den Sport nicht unbedingt mit Freude, sondern als nötiges Übel sieht, um fit zu bleiben. Wird einem das Ganze genommen, dann sinkt auch die Motivation. Doch selbst wenn mein Studio wieder öffnet, sehe ich schon hier in Schleswig-Holstein ein großes Problem. Die Leute bleiben den Studios fern. Umziehen in der Umkleide? Verboten! Duschen? Verboten! Spa-Angebote? Verboten!

Viele Fitness-Mitglieder trainieren morgens vor der Arbeit oder auch gerne während der Mittagspause. Aber man schwitzt nun mal auch in einem solchen Gym – und wenn das Duschen ausfällt, ist das Studio nun mal unattraktiv. Der Drang, sich nach einem harten Workout pflegen zu können, ist nun mal da – und wird dies verwehrt, ist das ein Problem.

Autor Mario-Roman Lambrecht würde gerne wieder in Hamburg trainieren (marioroman pictures)
Autor Mario-Roman Lambrecht würde gerne wieder in Hamburg trainieren (marioroman pictures)

Ebenso dürfte sich das Thema Sport für viele ältere Menschen, die regelmäßig im Studio sind, um fit zu bleiben, erstmal erledigt haben. Und das ist in vielen Studios ein nicht unerheblicher Anteil an Kunden. Menschen, die also alles tun, um gesund zu bleiben, werden aufgrund solcher Maßnahmen aus ihrer Regelmäßigkeit rausgeworfen – und sind somit auch eine potenzielle Risikogruppe.

In meinen Augen war es ein Fehler, den Bundesländern die Entscheidung zu überlassen, wann wo wie was aufmacht. Was ich aber nach wie vor nicht verstehe, das ist, wie man einfach auf Menschen pfeift, die gesund bleiben wollen. Die „Risikogruppen“ dürften wohl eher weniger in einem Raum voller motivierter und gesundheitsorientierter Menschen zu finden sein.

Aber hey, Hauptsache man kann sich beim Friseur wieder die Haare föhnen lassen. Das Fitnessstudio war nie ein Kontaktsport. Ordentlich geführte Studios haben schon immer einen großen Fokus auf Sauberkeit gelegt. Natürlich werden Hanteln von vielen Menschen genutzt, aber sie können und werden auch sonst regelmäßig desinfiziert.

Schon mal überlegt, wie viele Türklinken heute schon gedrückt wurden? Ob die wohl sauberer sind als eine Hantel? Das ist mein Kommentar.

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Shots Magazin / © Fotos: marioroman pictures

Rubriken: Events Gentlemen