Es ist so weit. Die Sonne wagt sich hervor, bleibt sogar ein paar Tage am Stück – und schon bricht das alljährliche Chaos aus.
Nicht auf den Straßen und nicht in den Parks. Sondern dort, wo es wirklich zählt: im Kleiderschrank.
Winterkleidung auf Wiedersehen
Die Winterjacken hängen beleidigt an der Garderobe, als hätten sie gerade erfahren, dass sie für die nächsten Monate aufs Abstellgleis kommen.
Schals ringeln sich wie überarbeitete Schlangen irgendwo auf dem Boden, völlig erschöpft vom langen Winter. Und ganz hinten, im tiefsten Dunkel des Schrankinneren, kauert er: ein Pullover.
Unberührt seit November. Leicht traumatisiert. Irgendwie auch ein bisschen vorwurfsvoll. Man schaut, seufzt und rollt die Ärmel hoch.
Schrank-Umbau zum Frühling
Der Plan ist klar und hört auf den stolzen Namen „Schrank-Umbau“ – klingt nach geordnetem Ikea-Katalog und fühlt sich an wie ein mittleres Umzugsunternehmen mitten in der Wohnung.
Kartons werden geschleppt, Stapel gewälzt und Entscheidungen getroffen, die unter normalen Umständen einem Sicherheitsrat vorbehalten wären. *Kommt die Fleecejacke mit auf den Dachboden oder bleibt sie noch? Was ist, wenn der April doch nochmal zuschlägt?*
Schließlich ziehen die Winterklamotten in ihren wohlverdienten Dachboden-Urlaub – mit dem stillen Versprechen, im Oktober wiedergesehen zu werden. Gleichzeitig rücken die Frühlingssachen aus ihren Verstecken vor.

Erholung für Fashion
Leichte Jacken atmen auf, Sneakers recken sich und alles, was irgendwie nach Terrassenkaffee, erstem Sonnenbrand und „ich sitze jetzt draußen, egal ob 14 Grad“ schreit, bekommt seinen Ehrenplatz.
Der Schrank duftet nach Neuanfang. Nach Leichtigkeit und nach Frühling.
Und dann – kaum ist alles hübsch gestapelt, sortiert und neu eingeräumt, kaum hat man sich einen Moment der Befriedigung gegönnt – tritt ein, was mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks jedes Jahr unausweichlich passiert.
Shopping-Tour kommt
Eigentlich fehlt da noch was. Ein Teil. Nur ein kleines. Vielleicht zwei. Aus rein organisatorischen Gründen, selbstverständlich.Auf zum Shoppen.
Der Schrank ist schließlich neu sortiert – da wäre es doch geradezu fahrlässig, ihn nicht auch gleich ein bisschen aufzufrischen.
Der Frühling kann kommen. Der Schrank ist bereit. Die Kreditkarte weniger. Das Frühjahr bedeutet eben Alarmstufe Rot im Kleiderschrank..
Sierks Media / © Fotos: Olena Bohovyk (1), Caroline Badran (1), Unsplash
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