Audi Tradition hat nun den historischen Auto Union Lucca neu aufgebaut und ihn Anfang Mai 2026 erstmals in der gleichnamigen italienischen Stadt präsentiert.


Der spektakuläre Motorsport-Rekordwagen aus den 1930er Jahren ergänzt ab sofort die historische Fahrzeugsammlung der Audi AG und schließt damit eine bedeutende Lücke in der Sammlung der legendären Silberpfeile.

Der Rekord von 1935: 320 km/h auf der Autostrada

Am 15. Februar 1935 schrieb der Auto Union Lucca Motorsportgeschichte. Auf einem geraden Teilstück der Autostrada nahe der toskanischen Stadt Lucca erzielte Rennfahrer Hans Stuck eine gemittelte Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h über die Meile bei fliegendem Start – ein vielbeachteter Weltrekord in der Internationalen Klasse C.

Auf einem Teilstück der Rückfahrt wurde sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h gemessen, womit der Wagen als „schnellster Straßenrennwagen der Welt“ galt. Die Wahl des Ortes war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer turbulenten Reise quer durch Europa.

Ursprünglich sollten die Rekordversuche in Ungarn auf der Strecke bei Gyón stattfinden, wo Rudolf Caracciola im Vorjahr für Daimler-Benz einen Klassenrekord von 316,592 km/h aufgestellt hatte.

Schlechtes Wetter und ein durchgebrannter Auspuff zwangen das Auto-Union-Team jedoch zunächst südlich von Mailand und schließlich nach Lucca weiterzuziehen – wo das Teilstück zwischen Pescia und Altopascio ideale Bedingungen bot: acht Meter breit, nahezu pfeilgerade und mit griffigem Belag.

Auto Union Lucca (1935)
Auto Union Lucca (1935)

Technische Innovation als Antrieb des Wettbewerbs

Die 1930er Jahre waren eine Ära des internationalen Rekordwettlaufs. Grand-Prix-Rennen und Höchstgeschwindigkeiten wurden von Medien und Öffentlichkeit obsessiv verfolgt. In Deutschland lieferten sich Auto Union und Daimler-Benz, Fahrer wie Hans Stuck und Bernd Rosemeyer gegen Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch, einen erbitterten Prestigekampf.

Der Auto Union Lucca entstand als direkte Antwort auf Caracciolas Rekord. In einem intensiven Entwicklungsprozess nutzten die Renningenieure erstmals systematisch Windkanaltests – durchgeführt in der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof – für den Rennwagenbau, was die zeitgenössische Fachpresse als „Novum im europäischen Rennwagenbau“ würdigte.

Das Ergebnis: eine strömungsoptimierte Karosserie mit geschlossenem Cockpit, tropfenförmigen Radhäusern und einem finnenartig geformten Heck, überzogen mit Klarlack und ergänzt durch Scheibenverkleidungen an den Speichenrädern. Ein 16-Zylindermotor mit rund 5,0 Liter Hubraum und 343 PS trieb den Wagen an.

Auto Union Lucca (2026)
Auto Union Lucca (2026)

Dreijähriger Neuaufbau durch Crosthwaite & Gardiner

Der Neuaufbau des Auto Union Lucca wurde von den englischen Restaurationsspezialisten Crosthwaite & Gardiner durchgeführt und nach gut dreijähriger Bauzeit Anfang 2026 fertiggestellt.

Sämtliche Bauteile wurden in Handarbeit speziell für das Fahrzeug gefertigt – besonders aufwändig war dabei die stromlinienförmige Karosserie mit Cockpitkanzel und Langheck. Ein Ende April 2026 im Audi-Windkanal gemessener Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,43 belegt die aerodynamische Qualität des Nachbaus.

Projektleiter Timo Witt, seit 2015 bei Audi Tradition verantwortlich für die historische Fahrzeugsammlung, erläutert die Philosophie hinter dem Aufbau: Authentizität stand im Vordergrund, ohne dabei Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit für künftige Demonstrationsfahrten zu vernachlässigen.

So kommt im Lucca-Wagen der 16-Zylindermotor des Auto Union Typ C mit 6-Liter-Hubraum zum Einsatz – äußerlich nicht vom originalen 5-Liter-Motor zu unterscheiden, aber innerhalb der Silberpfeilfamilie flexibel austauschbar. Außerdem wurden bereits beim Avus-Rennen 1935 vorgenommene Modifikationen, etwa an der Belüftung, in den Neuaufbau übernommen.

Auto Union Lucca (2026)
Auto Union Lucca (2026)

Bedeutung für die Sammlung der Audi AG

Stefan Trauf, Leiter Audi Tradition, ordnet die Bedeutung des Fahrzeugs für die Sammlung ein: Mit dem Auto Union Lucca ergänze man die Kollektion um ein „hochemotionales Mitglied der Silberpfeilfamilie“.

Der Rekordwagen verkörpere den technischen Fortschrittsgeist der vier Ringe in den 1930er Jahren und zeige, wie Ingenieurskunst und ästhetische Linienführung eine einzigartige Verbindung eingehen können.

Avus-Rennen 1935: Zwischen Triumph und Ausfall

Nur wenige Monate nach dem Rekord folgte der nächste Einsatz des weiterentwickelten Wagens: Beim fünften internationalen Avus-Rennen am 26. Mai 1935 in Berlin gingen beide Rennlimousinen – der Lucca-Wagen mit Prinz Hermann zu Leiningen am Steuer und ein baugleicher Bruder mit dem Nachwuchsfahrer Bernd Rosemeyer – an den Start.

Keiner der beiden Wagen erreichte das Ziel: Rosemeyer schied nach einem Reifenplatzer aus, zu Leiningen musste wegen eines Kühlwasserleitungsschadens aufgeben. Den Sieg holten die Wettbewerber aus Stuttgart.

Nach seiner Weltpremiere wird der Auto Union Lucca bald seinen ersten öffentlichen dynamischen Auftritt beim Festival of Speed in Goodwood vom 9. bis 12. Juli 2026 haben.

Sierks Media / Shots Magazin / © Fotos: AUDI AG

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