Interview Stefan Schnoor: Die Anfield Road ist etwas Besonderes

Stefan Schnoor kommt aus derselben Stadt wie ich und schnürte in der Jugend auch noch im selben Verein seine Fußballschuhe. Während sein Weg auf Grund des unübersehbaren Talents direkt in die erste Mannschaft der HSV Profis ging, endete meiner in der Westkurve. Bei jedem Heimspiel im Block D, stilecht mit einem Holsten in der Hand.

Dort sah ich zwischen 1991 und 1998, wie Stefan Schnoor bei Wind und Wetter die offensiven Gästespieler zur Verzweiflung brachte. Mit unermüdlichem Kampf- und Siegeswillen biss er sich an den Gegnern fest, die die Mittellinie überquerten und dem HSV gefährlich werden wollten. Er war ein richtig unangenehmer Gegenspieler für damalige Top Angreifer wie Jean-Pierre Papin, Marco Bode oder Wynton Rufer. Seinen Job absolvierte er so souverän, dass seine Karriere später im Mutterland des Fußballs bei Derby County sowie danach beim VfL Wolfsburg erfolgreich weiterging.

Über 300 Profispiele und 17 Tore später treffe ich Stefan Schnoor (44). Jetzt, nach all den Jahren, ist in seiner Heimat eine Halle nach ihm benannt und auch er ist bereit für ein Holsten. Auf ins Gespräch.

Stefan Schnoor
Stefan Schnoor

Stefan, Du startest ja seit längerem voll im TV durch und bist oft auf Sendung. Erzähl uns ein bisschen was dazu.

Das stimmt in der Tat. Ich bin in diesem Bereich als Experte für Sport1, den NDR, Sat.1, Kabel und seit kurzem auch für die Deutsche Fußball Liga (DFL) aktiv. Dort bringen wir die Bundesliga in einem Format nach England. Dass es in der letzten Zeit so zugenommen hat, liegt sicher daran, dass ich das sage, was auf dem grünen Rasen und drum herum passiert. Ich bin objektiv, gehöre zu keinem Verein und kann daher einfach offen und ehrlich beurteilen sowie analysieren, was passiert. Wenn etwas gut läuft, wird gelobt, läuft es falsch, wird schon der Finger in die Wunde gelegt. Und dann werden auch die Fehler aufgezeigt.

Als TV Experte steht man oft in der Kritik. Wie gehst Du damit um?

Das gehört dazu, genauso wie es bei einem Fußballer dazu gehört. Hat man einen Job, der in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, muss man immer damit rechnen, dass es Kritik gibt. Aber konstruktive Kritik ist doch okay, nur wenn es polemisch wird oder Leute meinen, etwas sagen zu müssen, die niemals Fußball gespielt haben, dann wird es bedenklich.

Wie entstand der Übergang vom Profi Fußballer in die Medien?

Durch Kontakte, die ich mir zur aktiven Zeit aufgebaut habe. Es wurde dann mal ausprobiert, ob ich tauglich bin vor der Kamera. Das war anscheinend der Fall und seitdem mache ich das sehr oft. Sehr häufig für meinen Haussender Sport1.

Stefan Schnoor
Stefan Schnoor

Rückblickend auf Deine Karriere als Sportler: Was war für Dich persönlich Dein absolutes Highlight?

Da gab es viele Highlights, positive und negative. Mit Sicherheit positiv war meine Zeit in England, denn ein Spiel an der Anfield Road in Liverpool ist schon ein Erlebnis der besonderen Art. Dann das Abstiegsdrama, was wir 2006 mit dem VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Kaiserslautern hatten. Zum Glück konnten wir das für uns entscheiden. Meine Profizeit war insgesamt eine tolle Zeit, mit vielen interessanten und lehrreichen Erfahrungen.

Und wenn Du jetzt kickst, für Charity Turniere oder ähnlich, wie ist das so?

Das ist wie ein Klassentreffen, man trifft die Kollegen wieder, gegen die man jahrelang um Punkte gespielt hat. Man will heute zwar immer noch gewinnen, aber nicht mehr so verbissen, wie zu der Zeit als Profi. Heute steht die Gesundheit im Vordergrund, man wird ja auch nicht jünger (lacht).

Ihr spielt ja oft mit einigen HSV Legenden und Musikern wie Silva Gonzalez. Geht’s da richtig zur Sache?

Nein, richtig zur Sache geht es nicht, aber der nötige Ehrgeiz ist schon nach wie vor vorhanden. Wir als Ex Profis wissen, wie wir uns aus Situationen fernhalten können, die eventuell kritisch sein könnten.

Stefan Schnoor
Stefan Schnoor

Für welchen Verein schlägt Dein Herz privat wirklich und wieso?

Für den HSV, weil es der Verein war, der mir die Chance gab, Profi zu werden. Und natürlich weil ich in der Stadt lebe.

Gibt es Themen, für die Du Dich engagierst, die Dir etwas bedeuten?

Ich engagiere mich generell für Themen, die in jeder Form mit Kindern zu tun haben, denn Kinder sind diejenigen, die sich noch nicht wehren können, aber unsere Zukunft sind.

Durch Deinen Job und auch privat ist Mode wichtig für Dich. Was trägst Du gerne?

Ich habe keine Lieblingsmarke, kombiniere gerne Klamotten und versuche immer, mich dem Anlass entsprechend zu kleiden. Ich kombiniere zum Beispiel gerne mal Designerklamotten mit günstigen Dingen. Denn ich bin keiner, der nur in Luxuslabel Läden einkaufen geht.

Wo kann man Dich in der schönsten Stadt der Welt treffen?

Am Elbstrand, in den Beach Clubs, in den vielen tollen Restaurants, die wir in Hamburg haben. Wie Tarantella oder Casse Croute, um nur zwei zu nennen. Außerdem gehe ich sehr gerne Sushi und Spanisch essen. Und auch da haben wir ja eine tolle Auswahl in Hamburg.

Stefan Schnoor
Stefan Schnoor

Was ist Dein allergrößter Traum?

Eine Weltreise zu unternehmen, ohne das Handy dabei zu haben…

Und auf welche Autos stehst Du? Hast Du Benzin im Blut?

Ich bin kein total Autoverrückter, aber wenn, dann sollte es ein Aston Martin oder Porsche sein. Oder eine alte Original Cobra.

Stefan Schnoor (44)
stefan-schnoor-arena.de
facebook.com/stefan.schnoor

Fotos: Werner Emmerich (2), VfL Wolfsburg (1), Stefan Schnoor (2)

Portus Novo - Handgefertigte, rahmengenähte Schuhe
Jan-Christopher Sierks Verfasst von:

SHOTS MAGAZIN